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27. Oktober 2005

Information an die Kirchgemeinde Röschenz

Informationsschreiben, mit dem wir unsere Kirchgemeinde über die offensichtlich kurz bevorstehende Veröffentlichung zu Hintergründen des Konfliktes in den Medien. Das Schreiben ist unverändert wiedergegeben.

Liebe Röschenzerinnen und Röschenzer,

am Donnerstagabend letzter Woche hat sich auch die Kleinlützler Kirchgemeinde gegen den Antrag ihres Kirchenrates für die Weiterbeschäftigung von Franz Sabo ausgesprochen, was uns sehr gefreut hat. Es ist traurig, dass das Kirchenvolk offenbar nur auf diese Weise gehört wird. Es freut uns aber auch, dass vielen Menschen Kirche doch noch so wichtig ist, dass sie etwas darin bewegen wollen und nicht einfach austreten.

In den kommenden Tagen und Wochen werden sich einige Dinge ereignen, über die wir auf diesem Weg kurz informieren möchten.

Landeskirche und Sondersynode

Mit der Landeskirche haben wir Gespräche anberaumt, die helfen sollen, zu einer Lösung in der Angelegenheit zu kommen. Da die Landeskirche als Vermittlerin in solchen Problemen zwischen Staats- und Kirchenrecht vorgesehen ist, werden wir mit ihrem Präsidenten, Herrn Peter Zwick, das weitere Vorgehen besprechen.

Die Sondersynode findet am Montag, den 31. Oktober 2005 statt. Dabei wird das Ergebnis des von der Landeskirche in Auftrag gegebenen Rechtsgutachtens vorgestellt. Anschliessend erfolgt eine Information über den Verlauf und Stand der Dinge sowohl von der Bistumsseite (durch Pater Dr.jur. Roland B. Trauffer) als auch durch uns.

Die Ergebnisse der Sondersynode werdet Ihr in den Medien erfahren können. Wir hoffen natürlich, für unser Anliegen Unterstützung zu finden. Und diese Hoffnung ist nicht unbegründet, denn dem ganzen Konflikt liegt etwas zu Grunde, das weit tiefer geht als nur "Probleme in der Kommunikation" und das "zerrüttete Vertrauensverhältnis":

"Persönlichkeitsschutz"

Dieser Begriff ist bereits in der Medienmitteilung des Bistums nach unserem Gespräch mit den Herren Trauffer und Grüter aufgetaucht. Offenbar will das Bistum mit diesem Hinweis Spekulationen gegen Pfarrer Sabo anregen, was ihnen auch gelungen ist.

Aber die Bistumsleitung sät nicht nur Zweifel gegen die Person Franz Sabo über die Medien. So wurden wir bereits vor über 4 Monaten von Journalisten auf Informationen angesprochen, die sie nur von kirchlichen Kreisen erhalten haben können. Weil ein Teil dieser Informationen nur dem Kirchenrat, Dr.Claude Janiak und der Bistumsleitung bekannt waren.

Bisher konnten wir die meisten Medienvertreter davon überzeugen, diese Informationen nicht zu veröffentlichen, Informationen, die ganz klar und ohne Zweifel auf Verleumdungen und Unwahrheiten beruhen. Und dass eine Veröffentlichung dieser Informationen der Kirche insgesamt schadet und auch gar nichts zur Lösung des Konflikts beiträgt. Leider war diese Einsicht von Seiten der Bistumsleitung nicht auszumachen. Es flossen offensichtlich von dort immer wieder Informationen zu den Medien, und zwar so konkret, dass wir uns bewusst wurden, dass eine Veröffentlichung früher oder später nicht mehr zu verhindern ist. Deshalb möchten wir Euch jetzt direkt informieren, damit Ihr die Details von Eurem Kirchenrat erfahrt und nicht nur durch die Medien.

Denunziation und Verleumdung

Unser Pfarrer wurde denunziert und verleumdet. Alle Vorwürfe wurden eindeutig und unzweifelhaft widerlegt. Dennoch versucht das Bistum weiterhin, damit Druck auszuüben.

Unser Pfarrer Franz Sabo wurde durch einen etwa 40jährigen Mann bei der Bistumsleitung denunziert: er wisse, dass Franz Sabo mit Kindsmissbrauch in Verbindung stehe.

Auf diese Vorwürfe hin hat die Bistumsleitung aber nicht die zuständigen Behörden informiert (!), sondern ein Gutachten anfertigen lassen. Dies alleine ist mehr als fragwürdig, da es sich um ein Offizialdelikt handelt, bei dem die Staatsanwaltschaft verständigt werden muss.
Franz Sabo hat der Erstellung dieses Gutachtens zugestimmt, da er sich vollkommen frei von Schuld fühlte und davon ausging, dass das Gutachten ihn entlasten würde.

Dieses Gutachten wurde jedoch auf vollkommen voreingenommene, ja inquisitorische Art und Weise erstellt, so dass ein nachweislich falsches und unklares Bild entstand, dass zwar nicht die Vorwürfe bestätigte, ansonsten aber ein sehr negatives Bild unseres Pfarrers zeichnete.

Daraufhin liess Franz Sabo auf eigene Kosten ein Gegengutachten erstellen, das zu dem Ergebnis kam, dass das erste Gutachten jeder Grundlage entbehrt, dass Pfarrer Sabo absolut keine pädophile Neigungen hat und seiner Arbeit als Seelsorger nicht das Geringste im Wege steht.

Dieses Gutachten wurde wiederum von der Bistumsleitung nicht anerkannt, so dass man sich schliesslich auf die Erstellung eines Obergutachtens verständigte. Dieses Obergutachten bestätigte das zweite Gutachten: Franz Sabo ist genau so gesund, psychisch stabil und normal wie die meisten von uns. Seinem Einsatz als Seelsorger steht nichts entgegen.

Dies wurde uns auch auf Nachfrage durch das Bistum in dem Schreiben vom 4. Februar 2005 bestätigt. Schriftlich heisst es dort: "... teile ich Ihnen mit, dass unter den von Frau Dr. Anneliese Ermer, Professorin für Gerichtspsychiatrie an der Universität Bern, ins Auge gefassten Gesichtspunkten keine Bedenken bezüglich einer Seelsorgetätigkeit von Herrn Pfarradminstrator Franz Sabo geltend gemacht werden können."

Während der Durchführung der Gutachten informierte die Bistumsleitung den Denunzianten über die Gutachten. Man hat nicht nur dem eigenen Pfarrer nicht geglaubt, sondern auch noch den Denunzianten ins Vertrauen gezogen!

Die Gutachten wurden über den Zeitraum von etwa einem Jahr erstellt. Man kann sich kaum vorstellen, was für ein Druck in dieser Zeit auf unserem Pfarrer gelastet hat. Der Höhepunkt stand jedoch noch bevor:

Nachdem die Bistumsleitung erfolglos versucht hatte, das Problem im stillen Kämmerlein nach ihrer Zielsetzung zu lösen, gab der Denunziant die Vorwürfe direkt an die Staatsanwaltschaft weiter.

Franz Sabo wurde umgehend von der Polizei festgesetzt, seine Wohnung durchsucht und sein Computer beschlagnahmt. Alle Unterlagen und der Rechner wurden untersucht. Ausserdem wurde der Denunziant vernommen, dieser konnte sich jedoch plötzlich an fast nichts mehr erinnern oder wusste es nicht mehr genau.

Das Ergebnis ist die Einstellung des Strafverfahrens am 26. Januar 2005 mit folgender Begründung:
"Die Ermittlungen haben keinerlei Hinweis erbracht, die den vom Anzeigesteller geäusserten Verdacht auch nur ansatzweise zu erhärten vermocht hätten."
Wir verfügen über eine Kopie des Einstellungsbescheides. Es gibt keinen Zweifel an der Unschuld von Franz Sabo.

Wir müssen ganz klar festhalten:

Hätte das Bistum die Vorwürfe des Denunzianten ernst genommen, hätte es von Rechts wegen sofort und unverzüglich die Staatsanwaltschaft einschalten müssen.

Mit dem Erstgutachten sollte nach unserem Eindruck nicht die Unschuld eines Priesters festgestellt werden, sondern lediglich Druck auf ihn ausgeübt werden, damit er von sich aus die Pfarrei verlässt.
Wir und auch das Bistum wussten seit Januar 2005 mit absoluter Sicherheit, dass an den Vorwürfen des Denunzianten nichts, aber auch gar nichts stimmte. Dass Pfarrer Sabo sich keines Verbrechens schuldig gemacht hatte.

Und trotzdem:
In dem Telefonat von Freitag, dem 18. März, in dem Herr Trauffer unserem Präsidenten, Holger Wahl, die Kostenübernahme angeboten hat, wenn wir Pfarrer Sabo fristlos kündigen, hat er ihn auch gefragt, ob er als Vater zweier Buben nicht auch gewisse Skrupel hätte, ob es nicht ein Problem für sein Gewissen gäbe, er wüsste doch sicher auch, was Sabo für ein Mensch wäre.

Die Bistumsleitung will Franz Sabo loswerden. Wenige Menschen haben die Charakterstärke, die Gesundheit, mit der unser Pfarrer ein bald zwei Jahre dauerndes Martyrium durchsteht.

Wir wollen einen unschuldigen Menschen rehabilitiert wissen, der uns viel gegeben hat, den unsere Bistumsleitung mit fragwürdigen Methoden loswerden wollte, die sicherlich als Mobbing, Nötigung, Intrige und Verleumdung gewertet werden können.

Wir haben nur ein Begehren: die vollkommene Rehabilitierung unseres Pfarrers.

Urteilt selbst. Überdenkt bitte auch die Predigten, die Äusserungen, die Veröffentlichungen von Franz Sabo. Versetzt Euch in diese Situation: eines Verbrechens beschuldigt, dass Ihr nicht begangen habt. Eurem eigenen Hirten in Ungnade gefallen, der Vertrauen und Gehorsam von Euch verlangt, der Euch gleichzeitig unter dem Deckmantel des Kirchenrechts, der innerkirchlichen Angelegenheit, mit allen Mitteln der altbekannten Inquisition in Eurer Existenz bedroht, schlimmer noch, der Eure Seele bricht, um seine Macht zu erhalten.

Auch in jüngster Zeit hat man aus dem Umfeld der Bistumsleitung vor Medienvertretern diese Verleumdungen ausgebreitet, obwohl jede einzelne offiziell und rechtlich einwandfrei widerlegt wurde.

Bischof Kurt Koch betont in seinen Ausführungen immer wieder, " ich muss vor allem als Bischof glaubwürdig bleiben."

Ob man das mit diesen Mitteln bleibt, halten wir für sehr fragwürdig.
Wir und viele Mitmenschen sehen diese Anforderung des Bischofs selber nicht mehr erfüllt.

Für uns hat der Bischof, die gesamte Bistumsleitung ihre Glaubwürdigkeit verloren.

Im Umgang mit Menschen wie Franz Sabo und aus moralischer Sicht haben sie mehr als fragwürdig gehandelt. Sie haben genau die Werte, die sie uns ständig vermitteln wollen, selber mit Füssen getreten:

Ausschliesslich und alleine für den Erhalt der eigenen Macht.

Als Arbeitgeber unseres Pfarrers sind wir von Gesetzes wegen verpflichtet und gewillt, unsere Fürsorgepflicht ihm als Arbeitnehmer gegenüber wahrzunehmen.
Dieses werden wir weiterhin tun. Ebenso, wie die Einheit und das Wohl unserer Kirchgemeinde unsere oberste Prämisse bleiben.

Wir möchten uns bei allen Menschen bedanken für das Vertrauen und die Unterstützung, die wir erfahren durften. Und wir hoffen, dass Ihr uns auch in der nun kommenden, sehr schwierigen Zeit weiterhin unterstützt.

Euer Kirchgemeinderat

30. September 2005

Franz Sabo bleibt Pfarrer in Röschenz - keine Lösung in Sicht

Medienmitteilung von Freitag, 30. September 2005

Röschenz ist eine sehr aktive Kirchgemeinde. Selbst Donnerstags ist die Kirche gut besucht, am Wochenende sowieso. Das hat weniger damit zu tun, dass die Röschenzer extrem gläubig wären, sondern vor allem damit, dass wir einen Pfarrer haben, der einem etwas mitgibt, der die Menschen anspricht und dort abholt, wo sie selber nicht mehr weiter kommen. Es kommen auch oft Familien aus anderen Dörfern, einfach weil unser Pfarrer es gut macht. Neben den Gottesdiensten arbeiten wir viel mit alten Menschen sowie mit den Kindern. Da wir einen sehr hohen Anteil an Katholiken im Dorf haben (ca. 80 %), besteht eine hohe Übereinstimmung der Dorfgemeinde mit der Kirchgemeinde, so dass auch die soziale Identifikation mit der Kirche ("unserer Dorfkirche") sehr hoch ist.

Vor Pfarrer Sabo hatten wir zum Teil auch negative Erfahrung mit unseren Priestern gemacht. Sein Vorgänger war keine glückliche Wahl. Das Dorf war gespalten, die Kirche immer leerer. Pfarrer Sabo brauchte nur ein halbes Jahr, um die Menschen im Dorf wieder zusammen zu bringen und die Kirche zu füllen.

Natürlich hat auch so ein Pfarrer seine Ecken und Kanten, die Schwierigkeiten mit unserem Pfarrer haben ihre Ursache leider genau in dem Bereich, der ihn gleichzeitig so glaubwürdig und beliebt macht: er ist extrem sensibel, was Menschlichkeit, Vertrauen und Wahrheit betrifft; seine Predigten sind authentisch, und damit trifft er natürlich in den eher hierarchisch und theologisch denkenden Herren Koch und Trauffer auf das pure Gegenteil.

Der Konflikt zwischen unserem Pfarrer und Bischof Koch entzündete sich an einem Interview, das der Bischof der baz im Sommer 2003 gab. Pfr. Sabo antworte in einem Forums-Beitrag in der baz am 08.08.03, in dem er dem Bischof u.a. Unbarmherzigkeit vorwarf. In einer gemeinsamen Presseerklärung, nachzulesen in der baz vom 19.08.03, heisst es:

"Pfarradministrator Franz Sabo wollte in seinem Beitrag Bischof Koch nicht in seiner Person verletzen. Er (Sabo) gibt der Überzeugung Ausdruck, dass der Bischof einem Priester nicht die Missio entziehen darf, ohne den Priester und die betroffene Pfarrei bei dieser Entscheidung gebührend mit einzubeziehen. Bischof Kurt Koch erklärt, dass er auf Grund der in der Basler Zeitung formulierten Kritik an seiner Person dem Priester Franz Sabo die Missio nicht entzieht. Er wird allerdings mit den betroffenen Pfarreien ins Gespräch kommen, um relevante Fragen zu klären."

Im Pfarrblatt Nr. 49/04 antwortete Pfarrer Sabo auf ein Interview des Generalvikars und bezeichnete diesen als "tragisches Beispiel für Gefühlsdummheit" (es handelt sich um Generalvikar Trauffer, der später einen seiner Mitbrüder als "Idioten" bezeichnete!).

Im Pfarrblatt Nr 1/2005 erschien folgende Entschuldigung von Pfr. Sabo: "Es ist grundsätzlich nicht meine Absicht, jemanden zu verletzen. Sollte dies durch meinen Leserbrief geschehen sein, bedaure ich das und entschuldige mich."

Aber damit hat er mit dem Generalvikar offenbar genau den Falschen erwischt: die Entschuldigung von Pfr. Sabo wurde nicht nur nicht angenommen, sondern ihm wurde ohne jegliches Gespräch und ohne eine Antwort auf seine Entschuldigung mündlich der definitive Rauswurf durch Herrn Grüter (Personalverantwortlicher des Bistums) mitgeteilt.

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die Zusage des Bischofs in obiger Presseerklärung vom 19.08.03, mit der zuständigen Pfarrei das Gespräch zu führen, immer noch nicht erfüllt wurde. Mittlerweile war es Februar 2005! Jetzt schaltete sich der Kirchenrat ein, der über die Absetzung ihres Pfarrers nicht einmal informiert wurde. Als Herr Trauffer sich schliesslich bequemte, den Kirchenrat zu kontaktieren, war es nur noch die Bekanntgabe eines bereits gefassten Beschlusses der Bistumsleitung, den wir zu akzeptieren hätten.

Alle unsere Bemühungen, auch die Kompromissvorschläge der Herren Bieger (Chefredakteur Kirche heute) und Zwick (Präsident der Landeskirche Baselland), eine Art "Time Out" zu gewähren, damit wieder Vertrauen wachsen kann, stiessen bei der Bistumsleitung auf taube Ohren. Ohne auch nur im geringsten eine Mitschuld an dem mittlerweile eskalierten Konflikt zu sehen, geschweige denn einzusehen, forderte man von Sabo ein "zu-Kreuze-kriechen".

Wir haben immer wieder versucht, Gespräche mit dem Bistum zu erhalten, in denen man eine gemeinsame Lösung suchen kann. Dies ist im Grunde bis heute gescheitert. Die Gespräche, die wir hatten, waren entweder vorgefertigte Verkündigungen, oder aber eine reine Auflistung von Vorwürfen. Der Bischof und vor allem der Generalvikar hatten offenbar überhaupt kein Interesse, zu einer anderen Lösung zu kommen als der, dass unser Pfarrer abtreten muss.

Als Vertreter unserer Kirchgemeinde konnten und können wir nicht akzeptieren, dass man uns den Pfarrer nimmt und damit ein wirklich schönes und florierendes Kirchenleben zum Erliegen bringt.

Umgekehrt wollen wir ja eine Lösung erreichen, bei der auch der Bischof das Gesicht wahren kann, und so haben wir unter anderem eine Auszeit vorgeschlagen, um mehr Zeit für Gespräche und eine Lösung zu finden, ohne dass der Termin 30.09. wie ein Fallbeil über den Beteiligten schwebt.

Mit unserem Pfarrer haben wir in vielen Gesprächen eine Basis für ein Entgegenkommen gegenüber dem Bistum aufbauen können und dies auch dem Bistum kommuniziert. Umgekehrt hatten wir vom Bistum, so wie die Geschichte verlaufen war, ein Entgegenkommen auch bei den Formulierungen erwartet, mit denen man eine weitere Zusammenarbeit hätte einleiten können. Dazu kommt es wohl leider nicht, Franz Sabo soll zu Kreuze kriechen, d.h. vollständig die Schuld auf sich nehmen, alle Weiheversprechen erneuern und die 1. August-Rede von Sissach öffentlich zurücknehmen, damit man vielleicht (!) auf ein Moratorium (!) zurückkommen könne. Der Hintergrund ist nach unseren Informationen aber klar: eine Gruppe um Trauffer herum (die leider im Bistumsrat die Mehrheit stellt) will Sabo um wirklich jeden Preis loswerden und legt daher die Latte, über die er springen muss, so hoch, dass es einfach nicht gehen kann.

Dabei wurde diese Latte immer höher gelegt: in dem Gespräch zwischen Kirchenrat und Bistumsleitung am 27. August hat Bischof Koch ausdrücklich und auf zweimaliges Nachfragen bestätigt, dass eine Erneuerung des Weiheversprechens nicht öffentlich erfolgen müsse. Nun muss das Weiheversprechen öffentlich erfolgen. Von der vollständigen Distanzierung von der Rede zum 1. August war genauso wenig die Rede. Nun ist sie Bedingung.

Die Latte wurde eindeutig immer höher gelegt, je mehr Franz Sabo zu Zugeständnissen bereit war. Sogar die Teilnahme an der Chrisam-Messe 2006 hat unser Pfarrer zugesagt, wenn bis dahin eine Basis für ein gegenseitiges Vertrauen entstanden sei, also das öffentliche Weiheversprechen dem Bischof gegenüber.

Vertrauen kann man nicht einfordern, es muss entstehen. Daher stehen wir auch vollkommen hinter der Auffassung unseres Pfarrers, dass ERST eine Vertrauensbasis aufgebaut werden muss, BEVOR man dann dieses Vertrauen auch bezeugen kann. Und dazu wollten wir eine Bewährungszeit haben.

Dass die Anforderungen immer weiter angehoben werden, so dass unser Pfarrer auf keinen Fall den Forderungen des Bistums nachkommen kann, ist nach unserem Empfinden weder im christlichen noch im menschlichen Sinne anständig. Und es ist für unsere Menschen im Dorf auch nicht mehr im Geringsten nachvollziehbar. Uns soll ein guter Pfarrer genommen und das Kirchenleben, wie es jetzt ist, praktisch beendet werden, und warum? Aus Rechthaberei, aus Prinzipien, die für die Kirchenbasis nicht mehr nachvollziehbar sind.

Die Mitglieder unseres Kirchenrates haben alles, aber auch wirklich alles in unserer Macht stehende versucht, um eine anständige Lösung erreichen zu können. Wir haben Tage und Wochen unserer eigenen Zeit investiert, um unserem Dorf unseren Pfarrer und das aktive Kirchenleben erhalten zu können.

Eine Lösung mit diesem Bischof, mit diesem Generalvikar wird es wohl nicht geben, wenn nicht ein Wunder passiert. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf. Es muss einen Weg geben, um unsere lebendige Gemeinde zu erhalten, mit oder ohne Bischof Kurt Koch.

Es gab mehrmals die Aussage, dass es nur Verlierer gäbe, wenn wir keine Lösung erzielen würden. Diese Auffassung teilen wir nicht: Verlierer gibt es nur dann, wenn eine Seite kompromisslos ihre Interessen durchsetzen möchte. Dann leidet nämlich das, was Menschen vor allem in der Kirche suchen: die Glaubwürdigkeit. Die Menschlichkeit. Das, was Christsein letztendlich ausmacht.

Wir beten jeden Sonntag: "Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern"; wir hören Bibelzitate wie: "Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!" oder: "Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein", wir erleben aber, dass unser Bischof samt seinem Stellvertreter Trauffer, sowie der grossen Mehrheit des Bischofsrates, ein denkbar schlechtes Beispiel abgeben und das Gegenteil dessen tun, was sie gerne anderen predigen. Und genau das ist es, was wir an unserem Pfarrer so schätzen: Er ist glaubwürdig, weil er anderen nichts predigt, was er nicht selber lebt.

Wir haben alles in unserer Macht stehende getan, um beide Seiten zu einem Schritt aufeinander zu bewegen zu können. Wir sind oft viel weiter gegangen, als es unser Gewissen eigentlich zuliess, um eben dem Bistum diesen Schritt zu ermöglichen. Wenn all das nicht hilft, wissen wir auch nicht mehr weiter. Aber wir wissen dann eines: es geht nicht mehr um Christlichkeit, um Menschlichkeit und die Werte, die uns Kirche bedeuten.

Es geht nur noch um Macht.

Die Menschen sind so, wie sie sind. Ein Pfarrer Sabo wird nicht plötzlich diplomatisch, ein Generalvikar Trauffer nicht plötzlich tolerant, ein guter Theologieprofessor nicht plötzlich ein guter Bischof. Unser Ziel war und ist es, eine Ebene zu finden, auf der alle Beteiligten eine Basis für eine zukünftige Zusammenarbeit finden können. Dies haben wir bisher nicht erreicht.

Vor dem Hintergrund der Geschehnisse sehen wir aber auch nicht ein, warum wir die Kirchgemeinde, für die wir verantwortlich sind und die uns gewählt hat, um ihre Interessen zu vertreten, warum wir diese Kirchgemeinde opfern sollen, um dem Bischof oder seinem Stellvertreter Trauffer Genugtuung zu verschaffen.

Einem Bischof, der sich noch nie für uns interessiert hat, der uns noch nie besucht hat, der uns klar zu verstehen gegeben hat, dass wir "nur" das Fussvolk sind und uns in innerkirchliche Angelegenheiten nicht einzumischen hätten. Einem nach unserem Eindruck passiven und weltfremden Bischof, dessen Generalvikar, der wohl selber gerne Bischof geworden wäre, dieses ausnutzt, um Bischof zu spielen. Oder, wie dieser in der Kirchgemeindeversammlung von Kleinlützel wörtlich sagte: "Wenn ich hier stehe, dann ist das das selbe, als wenn der Bischof hier steht".

Als Kirchenrat sind wir für das Wohl unserer Kirchgemeinde verantwortlich. Unser Pfarrer hat sich nichts zuschulden kommen lassen, was nach unserem Rechtsempfinden in irgendeiner Weise seine Arbeit bei uns verhindern würde. Im Gegenteil: wir sind absolut zufrieden mit ihm. Er hat ein Kirchenleben aufgebaut in den letzten 7 Jahren, von dem viele andere Gemeinden nur träumen können.

Es kann nicht möglich sein, dass wir all dies wegwerfen, nur weil unser Bischof (bzw. seine Hardliner im Bistumsrat) nicht Hand zu einem Kompromiss reichen können, nicht eingestehen können, auch selber Fehler gemacht zu haben.

Den Arbeitsvertrag mit unserem Pfarrer haben wir nicht gekündigt. Er wird weiterhin bei uns die Predigten halten, denn geweihter Priester ist und bleibt er, mit oder ohne Missio. Unsere Gläubigen werden weiterhin in die Kirche gehen können, unsere Kinder und Alten weiterhin ihre Anlässe geniessen können.

Mit der Landeskirche sind wir von Anfang an in einem konstruktiven Dialog gestanden, diesen werden wir auch weiterführen. Im Verlaufe des Konflikts wurde uns bewusst, wie wichtig die Funktion der Landeskirche in ihrer Stellung als regulierendes Glied in einem Konflikt, wie er in Röschenz zutrifft, ist, um auch die Anliegen der konfessionellen Bevölkerung zu vertreten. Wenn auf der anderen Seite eine monarchistische Bistumsleitung mit aller Härte, auch gegen den Willen der Bevölkerung und ohne auf ihre Anliegen einzugehen, ihr Diktat durchsetzen will. Es muss eine Lösung geben, wie immer sie auch aussieht. Es kann und darf nicht sein, dass in Röschenz gegen den Willen der Gläubigen ein aktives Kirchenleben mit einem hervorragenden und beliebten Pfarrer beendet werden soll, während gleichzeitig allerorten über Austritte, Priestermangel und Desinteresse an der Kirche geklagt wird. Das kann nicht sein, das darf nicht sein, und das wird auch nicht sein.

Die aktuelle Entwicklung

Nachdem das Bistum Monate Zeit hatte, mit unserem Vorschlag einer "Bewährungszeit" einen Lösungsansatz im Gespräch zu finden, erhalten wir einen Tag vor Ablauf des vom Bistum gesetzten Ultimatums nicht etwa einen Lösungsvorschlag, sondern ohne Rücksprache, einfach per Email das nächste Diktat sowie die Bestätigung über den Entzug der Missio.

Das Ganze wird auch noch als "Auszeit" und Entgegenkommen des Bistums verkauft, damit die Kirchgemeinde die Kröte artig schlucken möge. In Tat und Wahrheit handelt es sich um keine Auszeit: der Entzug der Missio ist definitiv. Dies widerspricht vollkommen jeder Tatsache, jedem Gespräch, das wir mit dem Bischof geführt hatten, und auch den bisherigen Aussagen des Bischofs selber, mündlich wie schriftlich. Wie soll Vertrauen entstehen, wenn der Betroffene Priester schlichtweg nicht mehr da ist ? Wie soll auf Seiten des Priesters Vertrauen zu seinem Bischof entstehen, wenn dieser nach wie vor nicht das geringste Entgegenkommen zeigt, keinen eigenen Fehler eingestehen kann ? Ist das nur eine Frage der Zeit, der Gewöhnung ?

Das Zitat, dass die "Auszeit", wie sie das Bistum jetzt kommuniziert, dem Wunsch der Kirchgemeinde entspricht, ist schlicht eine Unwahrheit.

Die Krönung ist die "Einsetzung" eines neuen Pfarrers sowie Pfarreiverantwortlichen ohne Rücksprache mit der Kirchgemeinde. Dies stellt einen klaren Rechtsbruch gegenüber der Kompetenz und Autonomie der Kirchgemeinde dar.

Wir möchten noch einmal ganz klar darauf hinweisen, dass unser Pfarrer dem Bischof die Hand gereicht hat. Das Angebot unseres Pfarrers an den Bischof können Sie im Bereich Dokumente nachlesen.

Wir werden so fortfahren, wie es die Kirchgemeindeversammlung beschlossen hat. Eine vernünftige, von beiden Seiten tragbare Lösung konnte nicht gefunden werden, daher werden wir unserem Pfarrer auch weiterhin nicht kündigen, er wird weiterhin in unserer Gemeinde tätig bleiben - mit oder ohne Missio.

Damit wir auch langfristig zu einer doch positiven Lösung kommen, sind wir auf eines angewiesen: auf Katholiken, die unser Anliegen unterstützen. Das heisst vor allem: Tretet bitte nicht aus der Kirche aus! Denn damit würdet Ihr das Feld genau diesen Hardlinern überlassen, die uns am liebsten loswerden möchten. Genau diesen Gefallen dürfen wir ihnen nicht tun! Wenn Euch Kirche noch etwas bedeutet, bleibt, und wehrt Euch gegen die Machenschaften einzelner Machtmenschen, die ihre Position schamlos missbrauchen.

Der Röschenzer Kirchgemeinderat

02. September 2005

Schweizer Beobachter nomiert Kirchenrat Röschenz für den Prix Courage

Alljährlich wird im Schweizer Beobachter der Prix Courage vergeben an Personen, die sich durch Zivilcourage auszeichnen, durch Mut, etwas durchzusetzen oder ans Tageslicht zu bringen, ohne dass es ihnen persönlich zum Vorteil gereicht, oft sogar zum eigenen Nachteil. Dabei werden jeweils 6 Personen oder Gruppen nominiert, unter denen dann während eines festlichen Anlasses der Hauptpreis durch eine Jury vergeben wird sowie der Publikumspreis, den die Zuschauer über Telefon, Post oder Internet entscheiden.

Wir haben uns über die Nominierung sehr gefreut, aber auch gewundert. Gefreut, weil wir es als Anerkennung für die viele Arbeit, für unsere Hartnäckigkeit im Bemühen um eine Lösung sehen. Aber auch gewundert, weil wir im Grunde nur unserem Auftrag nachgekommen sind: unsere Kirchgemeinde zu vertreten und in ihrem Auftrag und Interesse zu handeln. Damit ist aber auch klar, wem am Ende die Ehre gebührt: der Kirchgemeinde. Ohne ihren Rückhalt, ohne die ständige Unterstützung durch viele viele Menschen in unserem Dorf hätte auch der Kirchenrat den Durchhaltewillen und langen Atem nicht gehabt. Ihnen möchten wir auch ganz besonders danken. Es passiert heute nicht mehr häufig, dass ein Dorf sich so einsetzt, dass eine Dorfgemeinschaft besteht, die gemeinsam Ziele erreichen will, die nicht in Einzelinteressen, Neid und Intrigen versinkt.

Die Nominierung ist Anerkennung und Ehre. Wir hoffen auch, dass dies als positives Signal gesehen wird, dass man auch in eher unbedeutenden Positionen, wie Kirchenräte, Kirchenpflege, Pfarreiräte und wie sie alle heissen, etwas bewirken kann, ja muss, und nicht einfach nur dem Lauf der Dinge, den Vorschriften der Obrigkeit folgen muss. Wir vertreten unsere Gläubigen, wir haben eine eindeutige Aufgabe: in ihrem Auftrag zu handeln, ihre Interessen wahrzunehmen. Dass die Wünsche und Meinungen dabei nicht homogen sein können, ist klar. Aber dies ist durch eindeutige demokratische Regeln festgelegt, Meinungsbildung und Auftrag an den Kirchenrat sind nicht willkürlich und personenbezogen, sondern klares Ergebnis demokratischer, von der Kirchgemeinde getroffener Entscheidungen.

Aber gerade in diesem Bereich ist auch Mut nötig: Religion ist ein heisses Thema, schwieriger noch als Politik, da vieles nicht mit Vernunft oder Logik, sondern einfach nur mit Glauben zu tun hat. Und die Kirche trägt ihren Teil dazu bei: durch Kirchenrecht, dass sogar unserer Verfassung und er UN-Charta für Menschenrechte widerspricht, durch Gesetze wie Pflichtzölibat und Verbot der Frauenordination, und vor allem durch ihr Sendungsbewusstsein, dies alles sei durch jahrtausende alte Traditionen und nicht zuletzt Gott selber (durch die heilige Schrift) so gewollt.

Sicher aber ist, dass wir Gläubigen in den Kirchgemeinden dieser Welt "Kirche" sind. Nicht nur der Papst, nicht nur der Klerus, sondern jeder getaufte Christ ist Teil der Kirche. Und genau so sicher ist, dass jeder Mensch auf dieser Welt letzten Endes nur ein Mensch ist. Und wir alle haben Fehler, machen Fehler. Wenn aber menschliche Fehler und kirchliche Ämter zusammenkommen, dann wird es schwer. Und meistens setzt sich dabei nicht die Menschlichkeit, die Vernunft durch, sondern die Institution. Es ist schwer, in diesem Bereich einen Mittelweg zu finden, der beiden Seiten gerecht wird. Das haben wir sehr deutlich gespürt. Aber wir hoffen, dass die Nominierung auch dazu führt, denjenigen Mut zu machen, einen solchen Weg zu finden, die sich in ähnlichen Situationen befinden. Und dass die Anerkennung unserer Arbeit vielleicht auch den Amtsinhabern der Kirche Mut macht, die Vertreter ihrer Gemeinden nicht nur als notwendiges Übel, sondern auch als konstruktive Mitglieder der Kirche zu betrachten, mit denen man gemeinsam etwas unternehmen kann.

Die Nominierung hat uns gefreut. Einen Preis haben wir dafür aber nicht verdient, es gibt Menschen, die mehr riskieren, mehr einbringen als wir. Wir möchten an dieser Stelle vor allem unserer Kirchgemeinde danken, den vielen Menschen, die uns täglich unterstützen, für die wir unsere Arbeit machen, und die uns den Auftrag gegeben haben, uns für unseren Pfarrer, unser Kirchenleben im Dorf einzusetzen. Und nicht zuletzt unserem Pfarrer, dessen Eintreten für Menschlichkeit das alles möglich macht, mit dem wir ein aktives Kirchenleben mit Jungen und Alten haben, während sonst die Kirchenaustritte das Bild prägen. Vielen Dank!

29. August 2005

Klarstellung des Kirchenrates der Kirchgemeinde Röschenz zum BAZ-Artikel vom 29.08.2005

Am Montag, den 29. August, wurde in der Basler Zeitung ein Artikel veröffentlicht über das Gespräch zwischen Vertretern des Bistums und uns, dem Röschenzer Kirchenrat.

Sicherlich sind die Gespräche in dieser Phase und vor dem Hintergrund der gemeinsamen Vergangenheit nicht einfach. Dieser Artikel erweckt jedoch leider einen negativeren Eindruck der Situation, als er im Moment sachlich gegeben ist.

Natürlich haben wir einen Konflikt, natürlich ist es für jede der beteiligten Seiten schwierig, Verständnis und Vertrauen für die Anliegen und Beweggründe der jeweils anderen Seite aufzubringen. Dies ist jedoch ein Prozess, der langsam, mühsam und mit sehr viel persönlichem Einsatz der beteiligten Personen sowohl im Bistum wie auch in der Kirchgemeinde von statten geht.

Das Gespräch vom Samstag war keinesfalls "erfolglos". Es war ganz klar, dass dieses Gespräch ein Gedankenaustausch sein sollte, und damit nicht eine Zielsetzung im Sinne einer Lösung oder eines Entscheides. Das Treffen entsprang dem Wunsch sowohl des Bischofs wie der Kirchgemeinde. Und es hatte alleine zum Ziel, die jeweiligen Ansichten und Schwerpunkte zu klären und zu besprechen, also überhaupt eine Basis, eine Grundlage für das weitere Vorgehen zu schaffen. Dazu gehören auch die Kontakte zur Landeskirche, die auch schon bekannt waren.

Wir wurden sehr freundlich empfangen und bewirtet, es war im Gegenteil das erste Gespräch, das wir wirklich als Gespräch, als Gedankenaustausch empfunden haben und nicht nur als Verkündigung.

Die Medien, vor allem auch die Basler Zeitung, haben uns sehr geholfen, überhaupt gehört zu werden. Weil wir als demokratisch gewählte Vertretung unserer Kirchgemeinde zur Information verpflichtet sind, streben wir eine offene Informationspolitik an. Auch wenn dies eine schwierige Gratwanderung ist, wie wir jetzt wieder erfahren haben, so werden wir daran festhalten und weiterhin offen informieren. Wir müssen jedoch genau so offen missverständlichen Darstellungen entgegen treten, um dem Bistum und uns die Chance zu geben, zu einer Versöhnung und einer langfristigen Lösung unseres Konfliktes zu kommen.

Der Kirchengemeinderat Röschenz

27. August 2005

Information zum Stand der Dinge

Die Zeit bis zum 30. September wird kürzer, gleichzeitig hat auch die Landeskirche den Termin für die Sondersynode zum Thema Röschenz bekanntgegeben, so dass das Interesse der Menschen in und ausserhalb unserer Gemeinde genau so steigt wie das der Medien. Aus diesem Grunde möchten wir hier das aktuelle Geschehen kurz zusammenfassen.

Am Samstag, den 27. August 2005, hat der Kirchenrat von Röschenz ein Gespräch mit dem Bischof und einer Delegation des Bistums geführt. Das Gespräch war seit längerem geplant, und es war auch von Anfang an klar, dass es kein konkretes Ergebnis geben würde. Wie wir auch hier auf diese Seiten bereits erwähnt hatten, ist es uns auch als Kirchgemeinde ein Anliegen, wieder ein normales Verhältnis zu unserem Bistum aufzubauen, gleichzeitig war es uns sehr wichtig, auch die Auswirkungen noch einmal aufzeigen zu können, die der Weggang unsere Pfarrers auf die Kirchgemeinde, auf das Kirchenleben hat.

Das Gespräch im Bistum ist in sehr ruhiger Atmosphäre verlaufen. Im Kern war es eine Aussprache über die vergangene Zeit, um eine Grundlage gegenseitigen Verständnisses für das weitere Vorgehen zu schaffen.

Wie erwähnt gab es kein konkretes Ziel für diesen Austausch. Wir haben das Gespräch insgesamt als positiv empfunden und hoffen, dass auch unsere Anliegen, vor allem das Wohl der Kirchgemeinde und das Fortbestehen des Kirchenlebens, entsprechend aufgenommen wurden.

Eine Lösung kann es nur mit allen Beteiligten geben. Es wird daher sicher zu weiteren Gesprächen kommen, und wir werden unser Möglichstes dazu beitragen, eine positive Lösung für beide Seiten zu erreichen. Genau wie wir auch von unserem Bischof hoffen, dass er vor dem Hintergrund einer lebendigen, zahlreichen Kirchgemeinde das Wohl dieser Menschen in unserem Dorf berücksichtigt.

Wir werden Euch weiter informieren, sobald es aktuelle Nachrichten gibt.

04. Juni 2005

Unterstützung durch den Kirchenrat und den Pfarrer von Wolhusen LU!

Die Überraschung hätte nicht grösser sein können: erst erreicht uns ein Brief des Kirchenrates von Wolhusen LU, in dem er seine Solidarität bekundet, und am Samstag abend, 2. Juni, kommt auch noch Pfarrer Hans Kuns von Wolhusen nach Kleinlützel in die Kirche, um uns einen dicken Brief mit Unterschriften seiner Kirchgemeinde zu übergeben. Seine kurze Ansprache nach der Messe hat uns viel Mut gemacht. Wir haben schon von Anfang an Unterstützung auch von Kirchgemeinden erhalten, aber nie öffentlich und in einer so direkten Art. Vielen Dank an Pfarrer Hans Kunz, den Kirchenrat und alle Wolhusener, die uns eine solche Freude gemacht haben!

Die Solidaritätsbekundung des Kirchenrates sowie das Schreiben von Pfarrer Hans Kunz finden Sie im Bereich Dokumente

02. Juni 2005

Sitzung der Synode in Binningen

Am Donnerstag abend tagte die Synode in Binningen. Das Thema Röschenz war nur als Informationspunkt tracktandiert worden. Wir hatten die Sache mit Spannung erwartet, würden sich doch hier erstmals "neutrale" Stellen äussern, die also weder innerhalb der Kirche sitzen noch mit unserer Gemeinde verbunden sind. Zu unserer grossen Überraschung ist aus dem Informationspunkt eine lebhafte Diskussion entstanden, die die ganze Sitzung dominierte. Noch grösser war unsere Überraschung aber darüber, dass die grosse Mehrheit der Redner volles Verständnis für unser Anliegen äusserte, sowie Befremden über das Vorgehen des Bistums.

Nachdem keine Abstimmung geplant war, wurden am Ende die notwendigen Unterschriften für die Einberufung einer Sondersitzung der Synode zum Thema Röschenz gesammelt. Diese wird jetzt innerhalb der kommenden 3 Monate stattfinden.

28. Mai 2005

Treffen der Röschenzer Delegation mit Bischof Kurt Koch und Verantwortlichen des Bistums

Heute, 28. Mai 2005, ist es um 9:30 Uhr zu dem geplanten, von uns seit langem gewünschten Treffen zwischen Bischof Kurt Koch und unserer Delegation aus Röschenz gekommen. Auf Wunsch des Bischofs fand das Treffen im Ordinariat in Solothurn statt.

Auf Seiten des Bistums waren Bischof Kurt Koch, Generalvikar Trauffer, Bischofsvikar Grüter sowie Frau Hardegger anwesend. Aus Röschenz kamen als Delegation der Kirchgemeinderat sowie 9 Vertreter der Kirchgemeinde, Bürger aus Röschenz jeden Alters.

Nachdem das Gespräch mit den Herren Trauffer und Grüter am 17. März kein Gespräch war, sondern die Verkündigung eines bereits gefassten Beschlusses, erhofften wir uns von diesem Gespräch die Möglichkeit, zu einer Lösung zu kommen, die beiden Seiten dienen würde.

Die Kommunikation war in der Vergangenheit sicherlich unglücklich verlaufen. Weder hat Bischof Kurt Koch die versprochene Rücksprache mit der Kirchgemeinde eingehalten, noch konnten die Vorwürfe mit dem Kirchenrat geklärt werden, bevor die Missio entzogen wurde.

Wir haben daher darum gebeten, den Entscheid vorübergehend auszusetzen, das heisst, eine Art "Bewährungszeit" zu vereinbaren. Dabei sollten die ursprünglich versprochenen Gespräche dafür sorgen, beiden Seiten die Chance zu geben, zu einem nachvollziehbaren Ergebnis zu kommen, um das Vertrauen auf beiden Seiten wieder aufbauen zu können. Nicht nur das Vertrauen zwischen Bischof und Priester, sondern auch das zwischen Bistum und Kirchgemeinde.

Der Vorschlag wurde vollständig abgelehnt.

Als einziges "Fenster der Hoffnung" in diesem Gespräch stellte Bischof Koch ein Überdenken des Entzugs der Missio in Aussicht, wenn Pfarrer Sabo öffentlich alle Vorwürfe zurücknehme, die er in den vergangenen Wochen geäussert hätte.

Wir sahen in diesen Worten ein erstes Zeichen der Hoffnung, dieses wurde im weiteren Verlauf der Besprechung und danach jedoch wieder zunichte gemacht:

Am Ende des Gespräches erhielten wir ein Dokument, das vor der Besprechung erstellt worden war (!) und genau das "Gespräch" des Bischofs wiedergab. Darin war insbesondere festgehalten, warum der Entscheid in keinem Fall rückgängig gemacht werden könne. Wie beim Besuch der Herren Trauffer und Grüter war also auch dieses Gespräch wieder kein Gespräch, sondern nur eine weitere Verkündung gefallener Entscheidungen, ohne unseren Vorschlag einer "Bewährungszeit" überhaupt zu kennen.

Im Mediencommunique des Bistums stehen dann jedoch Dinge, die so überhaupt nicht mehr der Wahrheit entsprechen:

"Auf eine solche Entscheidung könnte nur zurückgekommen werden, wenn der Priester seine Weiheversprechen öffentlich erneuert".

Von einem Weiheversprechen war in der Besprechung nicht die Rede. Auch hatte sich Pfarrer Sabo bereits im Januar für seinen Leserbrief entschuldigt, was vom Bischof nicht anerkannt worden war. Zudem ist für uns nicht nachvollziehbar, warum Pfarrer Sabo zu Kreuze kriechen soll, die unwahren Anschuldigungen des Generalvikars (z.B. dass Pfarrer Sabo bereits in seinem Heimatbistum Probleme gehabt habe) aber offenbar einfach so hingenommen werden müssen.

Jetzt taucht auch wieder ein neuer Grund für den Entzug der Missio auf: Pfarrer Sabo habe sich gewissermassen selber die Missio entzogen, indem er öffentlich verkünde, er brauche den Bischof nicht. Bischof Koch habe diesen Entscheid des Pfarrers daher lediglich bestätigt.

Dies entspricht in keiner Weise den Tatsachen. Die Äusserung, dass der Wunsch der Kirchgemeinde für unseren Pfarrer ausschlaggebend sei und nicht die Person des Bischofs, ist erst gefallen, als Bischofsvikar Grüter die Information über den definitiven Entzug der Missio überbrachte. Zu diesem Zeitpunkt war dieser Entscheid also bereits gefallen, ohne dass wie versprochen von Seiten des Bischofs irgendeine Aussprache stattgefunden hatte.

Wir sind von unserem Bischof enttäuscht. Das Gespräch war wiederum kein Gespräch, die Anliegen unserer Gemeindemitglieder wurden schlichtweg ignoriert, und eine Lösung, die unserer Kirchgemeinde und dem Bistum gerecht würde, wurde damit praktisch unmöglich gemacht.

Da auch mit diesem Gespräch keine endgültige, für uns tragbare Lösung erzielt wurde, ist für uns als Kirchenrat nach wie vor der Entscheid der Kirchgemeindeversammlung massgeblich. Wir werden unserem Pfarrer weiterhin nicht kündigen. Weiter werden wir in internen Gesprächen die verbleibenden Möglichkeiten beraten und uns auch mit unserem Pfarrer besprechen.

Trotz dieses Ergebnisses bitten wir unsere Kirchgemeindemitglieder, bitte nicht aus der Kirche auszutreten, denn gerade jetzt brauchen wir jede Stimme, jede Unterstützung aus unserem Dorf.

Vielen Dank auch an unsere Delegation, dass sie die Zeit und Mühe auf sich genommen haben, uns auf dieser Fahrt zu begleiten.

Der Kirchgemeinderat von Röschenz





29. April 2005

Die abwechslungsreichen Geschichten unseres Generalvikars Roland B. Trauffer

Dieses ist die Mitteilung, die wir am 29. April veröffentlicht haben. Der vollständige Text findet sich im Bereich Dokumente oder direkt, indem Sie hier draufklicken.

Der Konflikt um den Verbleib unseres Pfarrers Franz Sabo mündet hoffentlich bald in einem direkten Gespräch zwischen Vertretern der Kirchgemeinde Röschenz und unserem Bischof. Die Vorbereitung des Gespräches erfolgt wie vereinbart im Stillen, es dient niemandem, wenn dieses Gespräch bereits vorher in der Öffentlichkeit geführt wird.

Seit der Kirchgemeindeversammlung in Kleinlützel müssen wir jedoch voll Erstaunen feststellen, dass unser aller Generalvikar Dr. Roland B. Trauffer sich zunehmend öffentlicher über Gründe und Hintergründe des Entzugs der Missio von Pfarrer Franz Sabo äussert. Unser Erstaunen rührt vor allem daher, dass es unser Generalvikar mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, was wohl vor allem dem Zwecke dient, Zweifel zu säen, wo man über keine Fakten verfügt.

Im Verlaufe des Konfliktes hat unser Generalvikar unter anderem folgende Punkte aufgebracht:

Pfarrer Sabo würde die Gemeinde spalten. Der Vorwurf ist absurd, zumal unsere Hirten bisher nichts, aber auch gar nichts, für unsere Kirchgemeinde getan haben. Mit der Kirchgemeindeversammlung und dem einstimmigen Votum für unseren Pfarrer ist der Vorwurf verstummt.

Jetzt setzte unser Generalvikar das Gerücht in die Welt, Pfarrer Sabo habe bereits in seinem Heimatbistum Bamberg Schwierigkeiten gehabt. Die Nachfrage sowohl des Kirchgemeinderates als auch der Medien in den Pfarreien, in denen Pfarrer Sabo wirkte, ergab genau die gegenteilige Information.

Seit der Röschenzer Kirchgemeindeversammlung wiederholt unser Generalvikar penetrant, dass Vertreter des Bistum ja gar nicht haben teilnehmen dürfen und die Gläubigen daher den "wahren Sachverhalt" nicht haben erfahren können. Auch dies entspricht nicht der Wahrheit. In einem Telefongespräch am 8. April hat Herr Trauffer unserem Präsidenten Holger Wahl mitgeteilt, dass er gar nicht teilnehmen könne, selbst wenn wir ihn einlüden, da er zu dem Zeitpunkt abwesend sei. Dass eine Anwesenheit in der Versammlung auch nichts am Ergebnis geändert hätte, war sehr deutlich in Kleinlützel zu sehen, wo das Bistum ja in mehr als ausreichender Zahl vertreten war, der "wahre Sachverhalt" offenbar jedoch nicht wahr genug war, als dass es jemanden zum Umdenken hätte bewegen können.

Als neuesten Vorwurf bekommen wir zu hören, dass Pfarrer Sabo die Hierarchie der Kirche an sich in Frage stelle und ihm die Position eines Bischofs egal wäre. Dies ist schlicht erfunden. Pfarrer Sabo hat die fundamentalen Glaubensfragen niemals in Zweifel gezogen. Auch hat er die Hierarchie der Kirche nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Er hat, wie wir auch, mehr demokratische Strukturen in der Kirche gefordert und dazu aufgerufen, die Stimme der Gläubigen zu hören und diese ernst zu nehmen.

Wir halten uns an unsere Zusage, über die Gesprächsvorbereitungen keine Angaben in der Öffentlichkeit zu machen. Wir sind davon überzeugt, dass eine für beide Seiten tragbare Lösung nur im Gespräch erreicht werden kann. Wir können es jedoch nicht akzeptieren, dass wir und unser Pfarrer von Seiten unseres Generalvikars weiter mit Verleumdungen und Verdrehung von Tatsachen durch den Schmutz gezogen werden.

21. April 2005

Kleinlützel unterstützt das Vorgehen des Röschenzer Kirchenrates

An der Kirchgemeindeversammlung in Kleinlützel SO hat sich die Kirchgemeinde in einer konsultativen Abstimmung bei 113 anwesenden Stimmberechtigten mit 2 Gegenstimmen und 3 Enthaltungen mit grossem Mehr für die Unterstützung des Vorgehens des Röschenzer Kirchgemeinderates im Konflikt mit dem Bischof ausgesprochen. Kleinlützel verfügt über keinen eigenen Pfarrer, so dass Franz Sabo etwa die Hälfte der Gottesdienste hier abhält. Die andere Hälfte wird von Schwester Maria sowie Patres von Mariastein gehalten.

Der Kirchenrat Röschenz dankt den Lützlern herzlich für die Bestätigung der Unterstützung, die wir an unserer Kirchgemeindeversammlung bereits vom Kirchenrat unserer Nachbargemeinde erhalten hatten. Präsident Thomas Gunti hat einen sehr fairen, offenen und ruhigen Dialog ermöglicht, in dem auch Generalvikar Trauffer den Standpunkt des Bischofs umfangreich darstellen konnte.

Wir wünschen und hoffen, dass die Stimmen der Gläubigen ernst genommen werden, dass Barmherzigkeit und Rücksicht auf unsere Katholiken eine Lösung im Gespräch ermöglichen, mit der beide Seiten leben können.


Schreiben des Bischofs

Auf unser Schreiben an unseren Bischof haben wir gestern, 20. April, eine Antwort erhalten. Auf Wunsch des Bischofs möchten wir zum Inhalt des Briefes vorerst keine Angaben machen, um angesichts der sicherlich schwierigen Ausgangssituation ein Gespräch zwischen uns und dem Bistum nicht zu gefährden.


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