Kirchgemeinde Röschenz

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St.Anna



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Not zwingt zum Handeln

von Roland Hinnen, mit freundlicher Genehmigung der Basler Zeitung vom 4. August 2006

Blättert man das "Personalverzeichnis der Diözese Basel" durch, stellt man fest, dass nur noch die wenigsten Pfarreien von einem Pfarrer geleitet werden. An ihrer Stelle amtieren (theologisch ebenbürtig ausgebildete) Laien. Weil diese Männer und Frauen aber nicht geweiht sind, muss die Gemeinde auf die Eucharistiefeier verzichten. Aus allen Ecken und Winkeln werden "priesterliche Mitarbeiter" und Ordenspriester mobilisiert, egal welcher Fachkompetenz oder Eignung, welchen Alters, welcher Mentalität und welcher Lebensführung - Hauptsache, sie können noch die "Wandlungsworte" sprechen. Die katholischen Gemeinden werden so von Amtes wegen ausgehungert, ja in ihrer Existenz bedroht. In der Pastoralplanung handelt die bischöfliche Bürokratie nach der brutalen Maxime: Anzahl Noch-Katholiken geteilt durch Anzahl noch vorhandener Priester gleich Anzahl "Pastoralräume".

Gemäss den Fachleuten, die das Evangelium kennen, ist das Herrenmahl (die Eucharistiefeier, das Abendmahl) das Zentralereignis im Leben der Kirche Jesu. Nirgendwo sonst erfährt die lebendige Ortskirche so dicht und konkret, was "Reich Gottes" ist - und dieses Reich Gottes unter den Menschen war das Ur-Anliegen Jesu. Die Tischgemeinschaft der Jesusleute ist folglich nicht irgendein randständiges Zeremoniell, kein Amtsprivileg der Priester und schon gar nicht eine Willkürdomäne der Bischöfe. Die Liturgie (gemeint ist konkret das Herrenmahl) "ist der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all (!) ihre Kraft strömt." (so das II. Vatikanische Konzil 1963). Kommt die Gemeinde nicht mehr regelmässig zusammen, so fällt sie auseinander.

"Ohne Priester keine Eucharistie!", lehren die Bischöfe. Gleichzeitig beharren sie auf Zulassungsbedingungen zu diesem Priesteramt, die noch nie evangeliumsgemäss waren (keine Verheirateten, keine Frauen).

Historisch gesehen stammen die kirchlichen Ämter nicht von Jesus. Sie entstanden aufgrund organisatorischer Bedürfnisse im Leben der Ortsgemeinden. Kriterium jedes christlichen Amts ist das Dienen: Ein Amt gibt es folglich nur, insofern und solange es dem Leben und dem Aufbau der Gemeinde dient. Die Gemeinde und ihre Eucharistiefeier haben eindeutig den Vorrang vor jedem kirchlichen Amt. Im Klartext: Ob die Gemeinde Eucharistie feiern kann und darf, hängt nicht von den vorhandenen Priestern oder Bischöfen ab.

Wenn einerseits die Eucharistie für das Leben der Gemeinde das existentielle Zentralereignis ist, an dem sie exemplarisch das Reich Gottes erfährt und begreift, die Bischöfe anderseits durch ihre Zulassungsbedingungen die Eucharistiefeiern verunmöglichen, dann erschrickt man über diesen Verrat an ihrem Dienstauftrag. Wo aber das Amt den Aufbau und das Leben christlicher Gemeinden verhindert, kann es vom Evangelium her keine Legitimität mehr beanspruchen. Verhindern die Bischöfe die Priesterberufe, dann bleibt den Gemeinden vom Evangelium her nichts anderes übrig, als selber geeignete Frauen und Männer zu bestimmen, die mit ihnen zusammen den Auftrag Jesu ausführen: "Tut dies zu meinem Gedächtnis." Als erste Massnahme könnten die Gemeinden, ob der Bischof will oder nicht, jene Priester wieder in Dienst nehmen, die wegen "Laisierung", Dispens, Missio-Entzug oder Suspension aus ihrem Amt entfernt sind - und jene künftig im Dienst behalten, die heiraten oder sich als Homosexuelle outen.

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