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Leserbrief an die Adresse von Weihbischof Martin Gächter

von Alexander Stebler

Sehr geehrter Herr Bischof

In der Zeitschrift "Kirche heute" vom 26. Februar vergleichen Sie in der Rubrik "Was mich bewegt" kirchliche Strukturen mit jenen unseres Staates. Ihr Vergleich hinkt. Unser Staat ist - im Gegensatz zur Amtskirche - eine Demokratie. Wenn Sie von Erwägungen innerhalb der Kirche sprechen, dann können Sie nur die Überlegungen der wenigen Männer der Kurie meinen. Die grosse Mehrheit des Kirchenvolkes hat sich seine Meinung in Sachen Pflichtzölibat, Frauenpriestertum und Geschiedenenpastoral längst gemacht. Es macht auch niemand "Druck von aussen" auf die Kirche, wie Sie schreiben. Von aussen wird unsere Amtskirche in diesen Fragen nicht einmal mehr kritisiert - sie wird höchstens belächelt.

Der Druck kommt im Gegenteil von innen. Er kommt von engagierten, selbständig denkenden Katholikinnen und Katholiken. Oder stehen diese Menschen Ihrer Meinung nach bereits ausserhalb der Kirche? Wenn man Ihren Text genau liest, muss man zu diesem brisanten Urteil kommen. Vielleicht sind wir wirklich bald so weit, dass allen selbständig denkenden Menschen innerhalb unserer Kirche der arg strapazierte Geduldsfaden reisst und sie allesamt aus der Amtskirche austreten.

Dann haben Sie genau das erreicht, was Sie offenbar wollen: eine rückwärtsgewandte, kleine Sekte autoritätsgläubiger Menschen, die mit der Herausforderung unserer Zeit überfordert sind. Sie suchen jemanden, der ihnen das Denken abnimmt und genau vorschreibt, was zu tun und zu lassen ist. Diese Auffassung von Kirche hat meiner Ansicht nach keine Gemeinsamkeit mehr mit dem unbequemen prophetischen Mann aus Nazareth. Jesus hat die religiöse und weltliche Obrigkeit seiner Zeit offen und mutig angeprangert für Taten und Gesetze, die genau dem selben Ungeist entstammen wie jene, die heute vom Kirchenvolk nicht mehr verstanden werden. Darum wurde er ans Kreuz geschlagen. Dafür ist er gestorben. Dafür ist er auferstanden. Dafür steht er auch heute wieder auf in allen, die sich gegen diese Ungerechtigkeit auflehnen.

Ich frage mich zunehmend, ob das morsche Schiff Amtskirche dem ungestümen Wehen des Heiligen Geistes noch standhält. Vielleicht hat der Heilige Geist diesen Ballast längst abgeworfen und eilt ihr jetzt schon voraus in eine Zukunft, die von Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung geprägt ist.

Alexander Stebler


Alexander Stebler, 37, ist Katechet in Fehren SO. Dieses Dokument ist ein Leserbrief, der so im hiesigen Pfarrblatt "Kirche heute" als Antwort auf einen Text von Weihbischof Martin Gächter erschienen ist. Dieser Text ist unter diesem Link abrufbar.

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