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Eine unbarmherzige katholische Kirche

(Basellandschaftliche Zeitung vom 8. Dezember 2006, Rubrik "Mein Standpunkt")

Meine ersten Kontakte zur römisch-katholischen Kirche reichen in die Schulzeit im Basler Thiersteinerschulhaus zurück: Ein blutjunger katholischer Vikar im schwarzen Anzug mit weissem Kragen liess es nicht bei den Religionsstunden bewenden, sondern "missionierte" nachher übereifrig auch noch auf dem Pausenplatz bei den katholischen Buben. Sehr zum Missfallen von uns Reformierten, denen seine "religiöse Gefühlsduselei" suspekt aber auch scheinheilig vorkam.

Als Konfirmand war mir die katholische Kirche noch immer fremd. Eine Kirche mit dem Exklusivitätsanspruch, die "allein selig machende" zu sein, empfand ich damals als in höchstem Grade arrogant und ungerecht. Eine Einschätzung, die sich zehn Jahre später noch zementieren sollte, als ich meine römisch-katholische Freundin heirateten wollte: In einem völlig auf die katholische Partnerin ausgerichteten Ehe-Unterricht behandelte mich der Pfarrer der Basler Heiliggeistkirche wie Luft. Es war förmlich zu spüren, dass reformierte Gedanken in seinem Studierzimmer keinen Platz haben durften. Erst am Schluss taute er auf, als ich ihm mit meiner Unterschrift die katholische Erziehung der Kinder zugesichert hatte.

Diese intolerante und jedem Ökumene-Gedanken spottende Geisteshaltung änderte sich auch in den folgenden Jahren nicht: An der Hochzeitsfeier war ich geduldeter Zuschauer, und an den späteren Kommunionsfeiern und an der Firmung unserer beiden Töchter verweigerte mir der Pfarrer den Zugang zur Kommunion. Er könne es mit seinem Gewissen nicht verantworten, einen Reformierten an den Tisch des Herrn zuzulassen.

Dennoch, unsere beiden Töchter, die mittlerweile auch als Ministrantinnen dienten, bekamen von mir nie ein Wort der Kritik an ihrer Konfession zu hören. Ich hielt mich konsequent an mein seinerzeitiges Versprechen. Doch ein echtes Verständnis gegenüber meiner Konfession mit entsprechender Akzeptanz durfte ich nie erfahren. Dafürber können auch spärliche ökumenische Gottesdienste nicht hinwegtäuschen.

An Allerheiligen starb meine Schwiegermutter nach schwerer Krankheit. Als streng gläubige Dienerin der katholischen Kirche hatte sie in den 62 Jahren, die sie in Brislach lebte, kaum eine Messe verpasst und ihre fünf Kinder ganz im katholischen Geiste erzogen. Die Intoleranz und die Unbarmherzigkeit, die wegen ihres letzten Wunsches nach einer Abdankungsfeier mit Pfarrer Sabo hochkamen, wühlten selbst den Kummer gewöhnten Reformierten auf. Jahrzehntelange Nachbarn konnten urplötzlich kein Beileid ausdrücken, und die Laufner Schulkameraden verweigerten der Verstorbenen die letzte Ehre. Der Brislacher Kirchenrat versteckte sich hinter Bischofsvikar Häring und stellte "seine" Kirche zur Abdankung nicht zur Verfügung. Man müsse eine Linie haben, lautete der Tenor. Bei der Frage, ob die Brislacher Kirche für den Beerdigungsgottesdienst zur Verfügung steht, ging es nicht um pro oder contra Sabo, sondern darum, einem langjährigen Mitglied der Kirchgemeinde eine letzte Schuldigkeit zu erweisen.

Dass in Brislach sonst die Kirche für Leute jeder Couleur gegen ein paar Silberlinge offen steht, sei nur am Rande bemerkt. Diese nicht nachvollziehbare und in höchstem Masse auch der Botschaft Jesu widersprechende Haltung könnte für den Bischofsvikar und den kleinmütigen Kirchenrat dann zu einem Bumerang werden, wenn diese selbst einmal auf Goodwill, Toleranz und Barmherzigkeit anderer angewiesen sein werden.

In jeder katholischen Messe reichen sich die Gläubigen symbolisch die Hand und wünschen einander Frieden. Solange es den Bistumsverantwortlichen nicht gelingen will, einen derart niederschwelligen Männerkonflikt wie mit Pfarrer Sabo zu beenden, bleibt das für mich eine scheinheilige Farce.

Die Unversöhnlichkeit unter geweihten Menschen macht schon nachdenklich. Wie sollen denn die echten Konflikte bewältigt werden, zu deren Lösung unter anderem auch der Bischof immer wieder aufruft? Sabo hat zwar respektlos und nach Art der Bayern polternd die Probleme der Kirche beim Namen genannt, aber er hat dogmatisch nie etwas verändern wollen. Es gelingt ihm ganz einfach, die Kirchen zu füllen und den Gläubigen eine leicht verständliche geistige Wegzehrung mit auf den Heimweg zu geben.

Das darf offensichtlich nicht sein, wenn man den selbstgerechten, wortreichen Ausführungen von Generalvikar Dr. Roland-Bernhard Trauffer zuhört. Der Mann, der mich in seinem missionarischen Übereifer stark an den damaligen Vikar im Thiersteiner Schulhaus erinnert, sollte sich zurückbesinnen auf den von Jesus vorgelebten Umgang mit dem Nächsten. Seine Unversöhnlichkeit, seine Selbstgerechtigkeit und seine Rolle als kirchlicher Hardliner wollen auch bei nachsichtiger Betrachtung nicht so recht zur weihnachtlichen Frohbotschaft passen.

Fazit: In den über vierzig Jahren meiner Nähe zur katholischen Kirche hat sich die Kluft zwischen Wort und Tat nicht verringert. Mit dem Schweigen zu existentiellen Problemen, mit unerbittlichen Hierarchien und mit dem Unvermögen, das verkündete Wort auch zu leben, werden die Verantwortlichen die Aushöhlung ihrer Kirche nicht stoppen können. Leider scheinen sie das in ihrer Selbstgerechtigkeit noch immer nicht bemerken zu wollen.



Roland Bürki war von 1992 bis 2004 Gemeindepräsident von Brislach und fĂĽhrte seine Gemeinde vom Kanton Bern in den Kanton Baselland

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