Kirchgemeinde Röschenz

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Die Mangelverwalter Roms

von Holger Wahl, erschienen als Forumsbeitrag in der Basler Zeitung am 24.08.2006

PEP, das hört sich so peppig und fröhlich an, oder? Als ob jetzt etwas Tolles passierte, etwas, das unsere Kirchen wieder füllen wird!. Nun, PEP steht für "Pastoraler Entwicklungs-Plan". Besser wäre PKP: "Pastoraler Katastrophen-Plan". Aber das hört sich nicht so peppig an.

Was ist PEP? Ganz einfach: es gibt fast keine Priester mehr. Also wollen die Menschen wissen, wie es denn nun weitergehen soll. Selbst das Stopfen der grössten Löcher mit Hilfe von Greisen und Gästen aus fernen Ländern kann ja nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass unsere Kirche in eine arge Schieflage geraten ist.

Wie aber wird das Problem im PEP gelöst? Durch verstärkte Einbindung von Laien? Durch die zumindest inoffizielle Zulassung der vielen laisierten Priester, die sich so unchristlicher Handlungen wie der Heirat schuldig machten? Durch erleichterten Zugang zum Priesteramt?

Nein, PEP ist eine reine Bürokratisierung des Mangels: Wir haben zu wenig Priester. Also wird die Region in so viele Einheiten aufgeteilt, wie es noch Priester gibt. Logisch, oder? Natürlich entfallen damit viele Dorfkirchen, da Gemeinden zusammengelegt werden müssen, um überhaupt noch Messen feiern zu können. Mess-Zentren, sozusagen. Tönt gut, oder?

Auch wenn Bischof Koch immer die "Weltkirche" vorschiebt: eine Kirchgemeinde ist eine soziale Einheit, oder anders: eine Dorfkirche ist nicht das Haus mit Turm, sondern eine Dorfgemeinschaft. Die Bindung der Menschen an die Kirche erfolgt zum grössten Teil über die soziale Gemeinschaft, nicht über den Glauben an die Weltkirche. Das Aussterben der Dorfgemeinden führt zwangsläufig dazu, dass junge Menschen die Bindung an die Kirche gar nicht erst erhalten.

Einfach nur Glauben kann man nämlich auch ohne Kirche ganz gut, die Zahlen belegen es.

Weiter übersieht unsere Bistumsleitung, dass Pfarrer nicht nur Messfeiern vorstehen, sondern auch soziale Funktionen wahrnehmen. Wichtig dabei ist die Akzeptanz, die Integrität eines solchen "Don Camillo". Wie soll diese Funktion noch glaubwürdig gewährleistet werden, wenn der Pfarrer zum fernen Statthalter wird? Dann tut es auch ein Fernsehpfarrer.

Ein richtiger PEP sieht anders aus: Einbindung der laisierten Priester (ob formell oder weniger formell), aktive Förderung eines kritischen, selbstbewussten Nachwuchses, vor allem in den Gemeinden, grosszügiges Auslegen der Restriktionen (Zölibat etc.). Damit würde wirklich "entwickelt", nicht nur verwaltet.

Rom ist fern, auch fern der Realität. Statt gebeugten Hauptes nach Rom zu schielen, wäre unsere Bistumsleitung gut beraten, sich für ihre Gläubigen einzusetzen. Unser Bistum braucht aufrechte Hirten, aber auch aufrechte Priester und Menschen in den Kirchgemeinden, die erkennen, dass weder Weltkirche noch Mangelverwaltung die Lösung sind: Nicht PEP, sondern ein regionaler Rettungsplan. Ein Plan, den das Volk versteht, der die Kirche wieder zu einer Komponente des sozialen Lebens in unseren Gemeinden macht.

  copyright © 2006 Holger Wahl, Röschenz - All rights reserved.