Kirchgemeinde Röschenz

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St.Anna



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Preisverleihung der Herbert-Haag-Stiftung am 20.03.2006 in Luzern

Einführung von Professor Hans Küng

Liebe Preisträgerin, liebe Preisträger,
Liebe Freunde der Herbert-Haag-Stiftung »Für Freiheit in der Kirche«,
Meine Damen und Herren,

Wir feiern heute alle zusammen ein kleines Fest der Freiheit, und ich heiße Sie alle sehr herzlich willkommen. Manche von uns kommen ja aus einer bisweilen sehr bedrückenden Situation unserer Kirche, in der Gemeinde, in der Diözese, in der Gesamtkirche. Aber das kann und darf uns nicht hindern, unsere Freiheit zu leben und sie gelegentlich auch zu feiern. Und heute ist Feier angesagt.

»Und Du sollst fröhlich sein«, hat Herbert Haag sein Buch über die Lebensbejahung im Alten Testament betitelt und mir, dem damals 50jährigen, ins Buch geschrieben: »Dem auch im Kampf Fröhlichen «. In der Tat, das war in all den Jahrzehnten unsere gemeinsame Haltung: Kampf und Fröhlichkeit schließen sich nicht aus. Geradezu »freudvoll zum Streit«, wie es in unserer früheren Nationalhymne hieß, waren wir zwar nicht. Aber doch bereit zum Kampf, wenn er uns aufgezwungen wurde und es um die Freiheit in der Kirche ging. Und mit uns haben viele von Ihnen, liebe Freunde, die sich für die Freiheit in der Kirche einsetzten und einsetzen, ihre Fröhlichkeit (Gott sei Dank!) bewahrt und versinken nicht in ein Meer von Kirchenklagen.

Wir freuen uns darüber, daß diese Freiheit in der Kirche nicht nur ein hehres Sonntagspostulat bleibt, sondern immer wieder im Alltag heiter praktiziert wird. Wir freuen uns besonders, daß gerade in der oft stürmischen Medienlandschaft Frauen und Männer, von denen wir hier repräsentativ vier auszeichnen, diese Freiheit für sich in Anspruch nehmen und durch ihr unerschrockenes Wort sich zu Sprechern machen für die Vielen, die keine Stimme haben. Und wir freuen uns schließlich auch darüber, daß eine Kirchengemeinde in unserem Lande die Grundrechte der öffentlichen Ordnung sowie die Regeln und Verfahren zu deren Schutz nutzt, um für ihren Pfarrer einzutreten.

Nicht mit uns freuen werden sich freilich einzelne Feuilletonisten, in Deutschland besonders, die sich mokieren über die noch immer nicht erfüllten Reformforderungen von Millionen Katholiken und über die angebliche Naivität derer, die immer noch solche Reformen einfordern. Es sind bisweilen religions- und kirchenferne Journalisten, die es für chic halten, kritiklos an den Papst zu glauben, aber selbst nicht im Traum daran denken würden, die päpstlichen Dogmen- und Morallehren zu akzeptieren; nur uns, die in der Kirche Aktiven, möchten sie auf buchstäbliches Befolgen verpflichten.

Nicht mit uns freuen werden sich sicher auch jene römisch-katholischen Traditionalisten, die das mittelalterliche Kirchenrecht verabsolutieren, das Papst und Bischöfen immer Recht gibt, den Pfarrern wenig Recht läßt und den Laien bei der Gestaltung kirchlicher Strukturen überhaupt kein Recht zugesteht. Sie meinen, einer Kirchengemeinde und einem Gemeindeleiter bleibe in Streitfällen gar nichts anderes übrig, als die anscheinend uneingeschränkten Vollmachten des Bischofs respektvoll anzuerkennen und die daraus abgeleiteten Anordnungen gehorsam zu befolgen.

Eines möchte ich freilich von vornherein klar zum Ausdruck bringen: Unsere Stiftung »Für Freiheit in der Kirche« macht sich im gegenwärtigen Streit zwischen Bischof Kurt Koch und der Gemeinde Röschenz nicht zum Richter. Wohl aber tritt sie dafür ein, daß auch ein Bischof der katholischen Kirche nicht über dem Recht, sondern unter dem Recht steht. Darum geht es im aktuellen Konflikt um die Gemeinde Röschenz, und Sie, liebe Freunde, haben wie die Öffentlichkeit ein Recht, Gründe und Hintergründe für die Verleihung des Freiheitspreises an die Gemeinde Röschenz zu erfahren. Dazu vier Gedanken, die den Konflikt nicht verschärfen, sondern zu einer noch immer möglichen Konfliktlösung und Versöhnung beitragen sollen. Ich bitte dabei die vier Preisträger aus den Medien um Verständnis, wenn ich mich hier mehr auf die aktuelle Konfliktsituation Röschenz konzentriere; die Festrede unseres Vizepräsidenten, Dr. Erwin Koller, wird dann vor allem ihnen gewidmet sein.

1. Die Autorität des Bischofs ist nicht uneingeschränkt, sondern steht im Dienst der Gläubigen und der Ortskirchen

Kein vernünftiger Katholik lehnt die bischöfliche Autorität grundsätzlich ab, nur wünscht jeder, daß sie in humanem und christlichem Geist ausgeübt wird. Die episkopale Ordnung gilt selbstverständlich auch für die katholische Kirche der Schweiz, aber sie ist nicht mit der Organisation eines Konzerns oder einer Armee zu vergleichen, wo der Chef oder Kommandant allein das Sagen hat und alle anderen einfach gehorchen müssen. Seit dem Zweiten Vatikanum wissen wir, daß die Kirche nicht mehr ein mittelalterlicher oder vormoderner Obrigkeitsstaat ist, an dessen Spitze als absoluter Monarch der Papst steht, darunter die Aristokratie der Bischöfe und als deren Helfer die Priester und schließlich in rein passiver Funktion das Untertanenvolk der Gläubigen.

Nein, grundlegend nach Neuem Testament und Konzil ist das Verständnis der Kirche als Glaubensgemeinschaft, als Volk Gottes: die Amtsträger sind nicht seine Herrscher, sondern seine Diener; das allgemeine Priestertum der Gläubigen soll ernst genommen werden. Innerhalb der Gesamtkirche sind die Ortskirchen keinesfalls einfach Unterabteilungen der Bischofskirche, sondern sind als Gottesdienstgemeinschaften ganz und gar ursprünglich und im vollen Sinn Kirche: Ihnen ist nach Paulus vor Ort alles gegeben, was sie zum Heil der Menschen brauchen: die Verkündigung des Evangeliums, Taufe und Eucharistie, die verschiedenen Charismen und Dienste. In ihrem Dienst steht der Gemeindeleiter, der Pfarrer. Zwischen ihm und dem Bischof soll nach dem Konzil nicht ein Herrschaftsverhältnis, sondern ein freundschaftliches Verhältnis gegenseitiger Beratung und Zusammenarbeit herrschen. Kollegialität also nicht nur zwischen Papst und Bischöfen, sondern auch zwischen Bischöfen und Gemeindeleitern. Dies alles müßte gerade im Bistum Basel seit der Synode 72 und ihren Dokumenten über die Kirche und den kirchlichen Dienst eine Selbstverständlichkeit sein. Und selbstverständlich sollte es auch sein, daß eine Gemeinde, die ihren Pfarrer unbedingt behalten möchte, vom Bischof nicht einfach überfahren wird.

Unter den Bischöfen Anton Hänggi und Otto Wüst gab es nicht die jetzt von Bischof Koch in seinem 10-Jahres-Rückblick beklagte »Spaltung im Bistum«, die »eine längst schwelende« sei, die das »Problem Röschenz« nur »sichtbar gemacht« habe. Unser Bistum galt vielmehr bis weit nach Deutschland hinein als Vorbild an pastoraler Kreativität. Ob Bischof Koch nach 10 Jahren nicht Anlaß zu einer Gewissenserforschung hätte? Es gibt durchaus nicht, wie der Bischof ebenfalls bemerkt, in unserer Eidgenossenschaft einen vergleichbaren »tiefen Bruch zwischen dem Volk und der Regierung«. Und dies aus dem einfachen Grund, weil es sich im Staat um gewählte Volksvertreter handelt, die jederzeit, anders als ein Bischof oder Generalvikar, wieder abgewählt werden können. Nein, die früheren Bischöfe haben unsere schöne Diözese Basel nie im In- und Ausland schlechtgeredet, als ob gerade dieses Bistum besonders schwierig zu leiten sei. Weil unseren früheren Bischöfen eine autoritäre Gesinnung und Verhaltensweise fern lag, wußten sie, daß die Kirche nicht von oben kommandiert, reglementiert und diszipliniert werden kann, sondern daß sie besonders leicht zu leiten ist, wenn der Bischof mit den einzelnen Seelsorgern auch ganz persönliche Beziehungen pflegt. Dann braucht er sich auch nicht öffentlich darüber zu beklagen, »daß das Bistum Basel überhaupt kein Organ hat, mit dem wir wirklich kommunizieren können«; er sei »auf Gedeih und Verderb auf die Medien angewiesen «. Ob Bischof Koch sich nicht fragen müßte, warum das Medienecho auf seine Tätigkeit so wenig positiv ausfällt. Haben wir nicht erst seit 10 Jahren in der Diözese das Problem, daß ein Bischof sich nicht nach dem Pauluswort als »Mitarbeiter an unserer Freude« erweist, sondern sich vielfach als »Herr unseres Glaubens« (vgl. 2Kor 1,24) aufspielen möchte?

2. Auch öffentliche Kritik am Bischof ist erlaubt und manchmal geboten

Kritik wurde in der Kirche schon immer geübt, seit nach dem Galaterbrief Kapitel 2 Paulus dem Petrus ins Angesicht widerstand, weil dieser nicht wandelte nach der Wahrheit des Evangeliums. Und selbst im hohen Mittelalter betont Thomas von Aquin – ein Professor der Theologie, der trotz verlockender Angebote nicht Bischof werden wollte –, daß man auch die » Prälaten« der Kirche der öffentlichen »Correctio fraterna«, der »brüderlichen Kritik« unterziehen darf (Summa Theologiae II-II, q. 33, art. 4). Natürlich soll solche Kritik in angemessener Form geschehen: Sie kann in der Sache scharf sein, sollte aber nicht persönlich beleidigen.

Aber das gilt selbstverständlich für beide Seiten: Ich weiß nicht, was schlimmer ist: wenn ein Bischof grob als Funktionär, der den Puls der Zeit nicht wahrnehme, bezeichnet wird und sein Generalvikar als »gefühlsarmer Dr. Apparatschik«. Oder aber wenn eine ganze Bischofskonferenz mit salbungsvollen Worten einem im Dienst der Kirche ergrauten Professor und international anerkannten Exegeten, dem hochverehrten Gründer unserer Stiftung, durch eine öffentliche Erklärung »das Vertrauen entzieht«, das sie ihm zuvor nie geschenkt hatte, und nicht einmal der Tod des hochverdienten Professors den Bischof von Basel dazu bewegen konnte, sich durch ein verständiges Wort von dieser öffentlichen Mißtrauenserklärung zu distanzieren. Oder wenn derselbe Bischof einen gewiß widerspenstigen und manchmal unbedachten Pfarrer mit dem Entzug der Missio canonica oder gar mit Suspension bestraft. So setzt sich ein Bischof selber der Frage aus, ob eine solche Maßnahme gegen einen Pfarrer, der offenbar nicht dogmatisch das Bischofsamt in Frage stellen, sondern pragmatisch die bischöfliche Amtsführung hinterfragen wollte, nicht vielleicht überzogen oder gar willkürlich ist. Oder darf diese Frage vielleicht gar nicht gestellt werden?

3. Eine kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit könnte den Fall lösen

Seit das Vatikanum II erklärt hat, daß die Kirche ein Pilgervolk in Sündhaftigkeit ist, das stets erneuter Reform bedarf, rechnet man damit, daß auch ein Bischof oder sein Mitarbeiter das Recht verletzen können. Davon ging mit großer Selbstverständlichkeit auch die erste Bischofssynode vom Oktober 1967 aus, die auf Vorschlag von Papst Paul VI. unter den zehn praktisch einstimmig beschlossenen Leitlinien zur Reform des Kirchenrechts im siebten Leitsatz die Schaffung eigener Verwaltungstribunale mit eigenen Prozeßregeln fordert, damit »jeder Verdacht auf Willkür in der kirchlichen Verwaltung aufhöre«.

Aber man staunt nun schon, daß genau diese Forderung einer Verwaltungsgerichtsbarkeit von Papst und Bischofssynode siebzehn Jahre später in der Vorrede (Praefatio) zum neuen Kirchenrecht 1984 durch simple Textkürzung glatt unter den Tisch fällt. Eine eindeutige Verfälschung des Textes, die vermutlich auf allerhöchste Weisung verschleiern soll, daß ein neuer Papst – Johannes Paul II. – einen zentralen Beschluß der Bischofssynode nicht umgesetzt haben wollte. Und so haben wir nun im Jahr 2006 trotz des Beschlusses von Papst und Bischofssynode von 1967 keine Verwaltungsgerichtsbarkeit, obwohl auch noch die Würzburger Synode der deutschen Bistümer 1975 einen fachmännisch formulierten Entwurf für eine Verwaltungsgerichtsbarkeit vorgelegt hatte. Kirchenvolk und Seelsorger haben im Vatikan nun einmal nichts zu sagen und auch die Bischöfe nur wenig.

Und Sie verstehen nun, meine lieben Freunde, daß aufgrund dieser eklatanten Verhinderung der bereits feierlich beschlossenen kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit gar keine Möglichkeit besteht, den Streit zwischen der Gemeinde Röschenz und dem Bischof rein innerkirchlich auf der Ebene der Diözese oder der Bischofskonferenz zu entscheiden. Der von Seiten der Gemeinde Röschenz geäußerte Verdacht, der Bischof hätte – im Zusammenhang einer unberechtigten Denunziation wegen angeblichen Kindesmißbrauchs – den Pfarrverweser Franz Sabo gemobbt, kann auf diese Weise gar nicht innerkirchlich geregelt werden. Eine verwaltungsinterne Beschwerde an irgendeine römische Kongregation kommt selbstverständlich nicht in Frage. Und andererseits verstehen Sie nun auch, daß wir glücklicherweise in der Schweiz nicht in einem Kirchenstaat leben, sondern in einem demokratischen Lande, wo eine allfällige willkürliche Amtsausübung auch eines Bischofs staatlich überprüft werden kann. Denn bei uns steht niemand über dem Gesetz, sondern alle Bürger, auch der Bürger Bischof, unter dem Gesetz.

4. Eine staatliche Überprüfung der Rechtsstaatlichkeit des bischöflichen Bescheids ist berechtigt und gefordert

Da die katholische Kirche keinen Grundrechtsschutz und Verfahrensschutz gewährt, darf man heilfroh sein, daß in unserem demokratischen schweizerischen System die katholische Kirche eine öffentlich-rechtliche Anerkennung im Staatsrecht genießt, was partizipative Prozesse auch der völlig gleichberechtigten Frauen und demokratische Regelungen und Entscheidungen, vor allem bezüglich der Kirchensteuer und ihrer Verwendung ermöglicht. Das hat nun aber zur Konsequenz, daß die Kirche auch in das öffentliche Recht des Staates eingebunden ist. So kann die echtsgültigkeit eines bischöflichen Entscheids überprüft werden: im Fall Röschenz gegen den Bischof zuerst von der Landeskirche, eventuell später auch durch das Verwaltungsgericht des Kantons und schließlich sogar durch das des Bundes. Was meiner Meinung nach keineswegs heißt, daß man es soweit treiben sollte.

Aber nun ist ja bekannt – und es war bei früheren Haag-Preisverleihungen Thema – daß Bischof Koch sich schon früh über unsere erprobten staatskirchenrechtlichen Strukturen abfällig geäußert hat, weil er, seit Antritt seines neuen Amtes ganz und gar hierarchisch denkend, am liebsten in der Diözese allein das Sagen hätte. Das Kirchenvolk dürfte natürlich nach wie vor die Kirchensteuer bezahlen, am besten direkt an die bischöfliche Kasse und nicht an die Ortskirche. Denn wer sollte besser Bescheid wissen, wie man das Geld verwendet, als der über den Amtsgeist verfügende Bischof?

Der Fall Röschenz unterstreicht jedoch exemplarisch die Notwendigkeit einer öffentlich-rechtlichen Verfasstheit der katholischen Kirche. Die Schweizer Katholiken legen seit Jahrhunderten großen Wert auf ihre Körperschaften, um eine minimale Mitbestimmung des Volkes Gottes zu schützen. Und selbst wenn der gegenwärtige Bischof von Basel nicht manches getan hätte, um sich nach zehnjähriger Amtsführung eine durchgängig schlechte Presse einzuhandeln, hätte er als sensibler Staatsbürger ahnen können, daß selbst ein Bischof, der sich römischer Unterstützung erfreut, sich leicht die Zähne ausbeißen wird, wenn er versucht, an den demokratischen Grundlagen unseres Gemeinwesens zu nagen.

Papst Johannes Paul II. wollte den katholischen Gläubigen den Willkürschutz nicht zugestehen, den sein Vorgänger und die Bischofssynode forderten. Danken wir also Gott, dem Herrn, daß unsere schweizerische Demokratie uns auch in der Kirche zumindest einen winzigen Anteil an den Menschen– und Christenrechten verschafft. Und bedenken wir wohl: Der Feind der Freiheit in der Kirche ist heute nicht mehr – wie vielleicht im 19. Jh. – ein laizistischer Staat, sondern ist ein autoritärer römischer Apparat.

Sie verstehen mich richtig, meine lieben Freunde: Es geht nicht darum festzustellen, ob der Bischof oder die Gemeinde Röschenz Recht hat, mir geht es nur darum zu loben, daß bei uns die Kirchengemeinden und Landeskirchen öffentlich-rechtliche Körperschaften sind, die noch in ganz anderer Weise als private Arbeitgeber an die Grundrechte gebunden sind und die so auch die Verfahrensrechte und vor allem rechtliches Gehör gewährleisten müssen, auch wenn kirchliche Amtsträger ihr Machtwort mit einer anderen Logik legitimieren. Keine Berufung auf »innerkirchliche Belange« oder gar einen »hierarchischen Kernbereich« kann eine Verletzung menschlicher Grundrechte oder Verfahrensrechte rechtfertigen.

Doch noch könnte Bischof Kurt Koch das Steuer herumreißen. Er könnte wie der Apostel Paulus, wenn er mit einer Ortskirche Schwierigkeiten hatte, seine Vollmacht so weit als möglich zurücknehmen: statt Befehlen die Anrede, statt Verbot der Appell an ein eigenes Urteil der Selbstverantwortung, statt Zwang die Werbung, statt Strafe das Wort der Vergebung, statt Unterdrückung der Freiheit die Herausforderung zur Freiheit. Statt sich in endlose gerichtliche Verfahren zu verstricken, könnte der Bischof mutig einen Strich der Versöhnung unter die ganze Angelegenheit machen: Der »gnädige Herr«, so sagte man früher, könnte die ungnädige Maßnahme gnädig zurücknehmen, und ich bin sicher, daß ihm dann auch die Gemeinde Röschenz und ihr Pfarrer das Vertrauen nicht versagen würden. Das wäre ein wirksamer Schritt, um die auch vom Bischof beklagte Polarisierung abzubauen. Wir brauchen nicht noch mehr Konfrontation, sondern mehr Kooperation. Noch möchte ich die Hoffnung auf Versöhnung nicht aufgeben. Es wäre dann auch in Solothurn wie in Röschenz eine fröhliche Feier fällig.

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