Kirchgemeinde Röschenz

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St.Anna



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Information an die Kirchgemeinde vom 30.12.2005

Jahreswechsel 2005/2006

Liebe Röschenzer,

die Advents- und Weihnachtszeit hat nicht nur den Winter, sondern auch etwas Ruhe in unser Dorf gebracht. Wir möchten zum Jahresende hin kurz informieren, wie der Stand der Dinge ist, und dies mit den besten Wünschen für eine schöne, stille, erholsame und gesegnete Zeit im Kreis von Freunden und Familie verbinden.

Preis für die Kirchgemeinde!

Die Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche ist eine Stiftung, die sich seit langem für mehr Demokratie, mehr Mitbestimmung in der röm.-kath. Kirche einsetzt, für mehr Liebe und Barmherzigkeit, wie sie Jesus uns lehrt, und weniger Macht und Hierarchie. Sitz der Stiftung ist Luzern, Präsident ist Prof. Hans Küng, ein langjähriger Freund und Wegbegleiter des verstorbenen Stiftungsgründers, Prof. Herbert Haag.

Die Stiftung vergibt jährlich Preise an Menschen, die sich um die Freiheit in der Kirche im weitesten Sinne verdient gemacht haben. Dieses Jahr erhalten 4 Journalisten diesen Preis und ausserdem: WIR, die Röschenzer Kirchgemeinde! Wir möchten das sogar noch ausweiten, denn es haben uns nicht nur unsere katholischen Bürger unterstützt, sondern fast alle Röschenzer, quer durch alle Glaubensrichtungen. Die Begründung für die Preisverleihung findet Ihr auf unserer Homepage www.kirchgemeinde-roeschenz.ch im Internet, oder sagt uns kurz Bescheid, dann drucken wir eine Kopie aus.

Die Preisverleihung findet am Montag, den 20. März 2006 um 17:00 Uhr in Luzern im Hotel Schweizerhof statt. Wir sind alle eingeladen!

Konflikt

Vordergründig ist es sehr ruhig, weil jetzt erst einmal die Landeskirche die "Beweisaufnahme" für ihre Beurteilung durchführt. Im Hintergrund jedoch rumort es ganz ordentlich. Ihr habt sicher den Eklat um die Beerdigung in Wahlen mitbekommen. Es war der ausdrückliche Wunsch der verstorbenen Frau Emilie Emma Halbeisen, von Franz Sabo beigesetzt zu werden. Nach ihrem Tod sprach die Familie erst mit dem Wahlener Kirchenrat, der anfangs kein Problem darin sah, dann mit dem Pfarrer, Pater Bonilla. Dieser jedoch teilte der Familie mit "wenn DER (Franz Sabo) in MEINE Kirche kommt, komme ICH nicht mehr!".

Woraufhin der Kirchenrat es ablehnte, den Beerdigungsgottesdienst mit Pfarrer Sabo in Wahlen zuzulassen so dass der letzte Wunsch der Verstorbenen in Wahlen nicht erfüllt werden konnte. Wir finden das sehr erstaunlich: erstens gehört die Kirche nicht Pater Bonilla, zweitens dürfen andere Christen (auch nicht-katholische) in der Kirche ihre Abdankungsfeiern halten, sogar Lef√®bvre-Anhängern wurde schon ein Gottesdienst erlaubt. Drittens war Frau Emilie Emma Halbeisen nicht nur seit 57 Jahren in Wahlen ein treues Mitglied und hat auch viel für die Kirche getan, sondern sie war als achtfache Mutter ein engagiertes und sehr beliebtes Dorfmitglied. Es ist uns vollkommen unbegreiflich, wie man im Namen des Kirchenrechts einem Menschen, einer Familie so etwas antun kann. Und es bestärkt uns in der Überzeugung, dass es im Konflikt mit der Bistumsleitung definitiv nicht um den "rechten Glauben", sondern alleine um die nackte Macht geht, dass Menschlichkeit, Vergebung und selbst der Respekt vor den Verstorbenen keine Rolle spielen, wenn Intoleranz und Kaltherzigkeit in der Bistumsleitung regiert.

Wir suchen weiterhin nach einer Lösung. Bisher ist leider aus dem Bistum nicht ein einziges Wort des Bedauerns über den Umgang mit dem Vorwurf sexuellen Missbrauchs erfolgt, nicht ein einziges Eingeständnis, auch dort im Umgang mit uns als Kirchgemeinde nicht alles richtig gemacht zu haben. Wir haben Fehler gemacht, und wir stehen dazu. Wir würden manche Dinge anders machen, könnten wir die Zeit zurückdrehen. Aber für eine Einigung braucht es Einsicht, nicht nur bei uns, sondern auf beiden Seiten. Solange wir als Kirchgemeinde nicht ernst genommen werden, solange das jahrelange Hinziehen der Gutachten um unseren Pfarrer, die Weitergabe von Informationen dazu an einen Denunzianten, an Externe, ja an Journalisten als "Wahrnehmung der Verantwortung des Bischofs" gesehen werden, solange werden wir nicht zulassen, dass unser Pfarrer geopfert wird, um die Scheinheiligkeit in Solothurn zu wahren.

So wie wir natürlich dem Auftrag der Mehrheit unserer Kirchgemeindemitglieder und unserem Interesse als Kirchgemeinde folgen, so darf gleichzeitig niemand in der Ausübung seines Glaubens behindert oder eingeschränkt werden. Daher wollen wir an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich klarstellen, dass unsere Kirche allen toleranten Christen offen steht. Wer immer eine Taufe, eine Hochzeit oder eine Beerdigung mit einem anderen Pfarrer durchführen möchte, darf dies selbstverständlich tun. Wir stimmen dem grundsätzlich zu, sofern sich nicht Fundamentalisten oder Hetzprediger Zutritt zu unserer Kirche verschaffen wollen.

Sonntagsblick

Ein wenig schönes Ei zum Jahresende hat uns leider noch der Sonntagsblick gelegt. Ein Artikel, den Franz Sabo mit unserer Zustimmung auf Wunsch des Sonntagsblicks geschrieben hatte, wurde ausgerechnet an Weihnachten als "Weihnachtspredigt" veröffentlicht, mit viel reisserischen Hinweisen und einem sehr negativen Titel versehen.

Wir stehen ganz klar zu dem Artikel selber, aber genauso klar distanzieren wir uns von der Aufmachung. Und alle, die Heiligabend oder am Weihnachtssonntag in der Kirche waren, wissen auch, dass dieser Text mit der Weihnachtspredigt nicht das Geringste zu tun hatte.

Die Medien haben uns geholfen, überhaupt gehört zu werden. Aber es ist auch immer eine Gratwanderung. Dass dies auch einmal schief gehen kann, haben wir jetzt erfahren. Wir brauchen die Medien, um unsere Interessen zu wahren. Wir werden jedoch in Zukunft noch vorsichtiger mit diesem Instrument umgehen.

Jahresbeginn

Nun bleibt uns nur noch, Euch allen eine besinnliche, ruhige und sehr schöne Zeit zu wünschen, einen guten Rutsch und ein gutes, gesundes Neues Jahr. Wir werden weiterhin eine volle Kirche, einen sehr guten Pfarrer Franz Sabo und eine aktive Kirchgemeinde haben. Es sind alle herzlich eingeladen, am Silvesterabend, Samstag den 31.12.2005, um 17:00 Uhr und natürlich zu allen "normalen" Gottesdiensten zu kommen, nicht nur alle Katholiken, sondern natürlich alle, die gerne teilnehmen möchten.

Beste Wünsche und herzliche Grüsse
Euer Röschenzer Kirchenrat

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