Kirchgemeinde Röschenz

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Medienmitteilung der Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche

Freiheit in der Kirche ist auf eine kritische Öffentlichkeit angewiesen - Die Preise 2006 der Stiftung für Freiheit in der Kirche

Die Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche hat die Preisträger 2006 bestimmt. Ihre Auswahl geht von der Überzeugung aus, dass Freiheit in der Kirche auf eine kritische Öffentlichkeit angewiesen ist, und unterstreicht damit die Rolle der Medien und der öffentlich-rechtlichen Körperschaften der Kirche. Die Preise gehen an vier Medienschaffende im deutschsprachigen Raum, die sich seit Jahren um eine kritische Auseinandersetzung mit kirchlichen Themen verdient gemacht haben: Dolores Bauer, Publizistin und Buchautorin in Wien; Matthias Drobinski, Redaktor an der "Süddeutschen Zeitung" in München; Michael Meier, Journalist am Zürcher "Tagesanzeiger"; Hansjörg Schultz, Redaktionsleiter "Gesellschaft und Religion" am Schweizer Radio DRS in Basel. Eine weitere Auszeichnung geht an die Katholische Kirchgemeinde Röschenz in Basel-Land.

Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass die Medien kirchliche Ereignisse und Grossanlässe oft unkritisch, jubelnd und devot an das Publikum vermittelten oder dann Spott und Häme verbreiteten, weil sie für religiöse Fragen kein Gespür aufbringen. Die Stiftung für Freiheit in der Kirche möchte die Medienschaffenden ermuntern, ihren Beitrag zu einer kritischen Öffentlichkeit bezüglich Kirchen und Religionen zu leisten. Religion taucht in der heutigen Welt mit neuen Gesichtern und unter vielerlei Gestalten auf, ihre Erscheinungen sind oft diffus und schwer zu deuten. Umso mehr ist die Öffentlichkeit auf Aufklärung und Meinungsbildung angewiesen. Die Medien sind aufgerufen, einschlägige Ereignisse und Entwicklungen zu reflektieren und sich ein kritisches Urteil zu bilden, indem sie die vorgebrachten Argumente den Herausforderungen der Zeit gegenüber stellen. In ihrer Vermittlung werden sie unterschiedliche Positionen offen gegeneinander stellen, einen räsonablen Diskurs führen und Transparenz schaffen, wo Träger kirchlicher Macht oder Verführer argloser Gemüter das Licht scheuen.

Die Katholische Kirchgemeinde Röschenz erhält eine Auszeichnung, weil die Kirchenbürgerinnen und Kirchenbürger sowie ihre Behörde unter der Leitung von Kirchenratspräsident Holger Wahl in einem schwierigen Konflikt bewiesen haben, dass sie die Grundrechte der öffentlichen Ordnung sowie die Regeln und Verfahren zu deren Schutz gewährleisten, auch wenn kirchliche Amtsträger ihr Machtwort mit einer anderen Logik legitimieren. Das heisst nicht, dass der Gang in die Öffentlichkeit stets die beste Lösung eines Konflikts herbeiführt. Der Fall Röschenz unterstreicht jedoch exemplarisch die Notwendigkeit einer öffentlich-rechtlichen Verfasstheit der katholischen Kirche. Die Schweizer Katholiken legen seit Jahrhunderten grossen Wert auf ihre Körperschaften, um eine minimale Mitbestimmung des Volkes Gottes zu schützen. Leider sieht auch das neue Kirchenrecht weder ein Grundrecht der Gläubigen vor noch kennt es Verfahren, die menschenrechtlichen Anforderungen würdig sind.

Die Preisverleihung der Stiftung für Freiheit in der Kirche findet am Montag, 20. März 2006 um 17 Uhr im Hotel Schweizerhof in Luzern statt. Wer sich dafür interessiert, ist zur Teilnahme herzlich eingeladen.

Angaben zu den Preisträgerinnen und Preisträgern

Dolores Bauer (*1934) arbeitete nach ihrem Studium in Wien bei verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen sowie Verlagen. 1968 wurde sie im Österreichischen Rundfunk Radioredaktorin im Aktuellen Dienst des ORF und nach einem kurzen Abstecher in die Politik 1989 Fernsehredaktorin in der Abteilung Religion des ORF. Ihr Journalismus war durch ein starkes politisches Engagement geprägt, welches hohe Kompetenz mit kritischer Distanz verband. Sie konfrontierte Ereignisse und Themen, denen sie überall auf der Welt nachging, mit den biblisch begründeten Prinzipen von Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Sie wirkte auch in der Kommission "Justitia et Pax" und im katholischen Laienrat mit. Und sie bleibt dabei: Nach Buchpublikationen über Israel/Palästina, die USA sowie Südamerika erscheint demnächst ihr neuestes Buch: "Mein Uganda. Ein demokratiepolitisches Modell? Reportagen - Impressionen - Gespräche" (Mandelbaum Verlag Wien 2006).

Matthias Drobinski (*1964) engagierte sich in der katholischen Jugendarbeit und studierte Geschichte, katholische Theologie und Germanistik in Gie├čen und Mainz. Nach seiner Ausbildung in der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg wurde er 1993 Redaktor beim "Publik-Forum - Zeitung kritischer Christen" und arbeitete dann als freier Journalist für die "Woche" sowie für den Hessischen und den Norddeutschen Rundfunk. Seit 1997 ist er innenpolitischer Redaktor der "Süddeutschen Zeitung" in München und dort zu einem wesentlichen Teil für Kirchen und Religionsgemeinschaften zuständig. Seine breite Ausbildung und Erfahrung verbindet er mit einer aufgeweckten geistigen Präsenz, einer intelligenten Analyse und einem unabhängigen Urteil.

Michael Meier (*1955) studierte Germanistik und Psychologie an der Universität Zürich sowie Theologie in Freiburg/CH und Rom. Seit 1987 ist er als Journalist mit Schwerpunkt Kirchen und Religion tätig, vor allem für den Zürcher "Tages-Anzeiger" und vereinzelt für andere Zeitungen. Er gehört zu den wenigen Fachjournalisten, welche in der Schweizer Tagespresse über Religion konsequent informieren. Seine Arbeit steht in der Öffentlichkeit für wache Sensibilität, einen weiten Horizont, kritische Distanz und geistige Unabhängigkeit.

Hansjörg Schultz (*1953) hat Geschichte, Philosophie und Politik studiert und wurde dann Journalist im Rundfunk und in verschiedenen Zeitungen. Von 1983 bis 1990 arbeitete er in Genf als Korrespondent des Evangelischen Pressedienstes sowie für verschiedene ARD-Anstalten. 1990 wurde er Leitender Redaktor beim Kirchenfunk des Südwestfunks, ab 1992 stellvertretender Chefredaktor beim "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt". 1995 wechselte er zum Schweizer Radio DRS, wo er für die tägliche Sendung "Kontext" und seit 2003 auch für die religiösen Sendungen verantwortlich zeichnet. Hörerinnen und Hörern ist er bekannt für sein breites religiöses und zeitkritisches Interesse, seine vorzüglichen Gesprächsmoderationen und seine urteilssicheren Kommentare.

Die katholische Kirchgemeinde Röschenz zählt rund 1250 Gläubige. Das kleine Dorf liegt im Laufental, das seit 1994 zum Kanton Baselland gehört. Es wird schon im Jahr 1004 als Besitz des Fürstbistums Basel erwähnt und trägt noch heute den Baselstab im Wappen. Kirchenratspräsident ist seit Januar 2005 Holger Wahl (*1962). Er ist in Rom aufgewachsen, absolvierte in Rosenheim die Fachhochschule für Holztechnik und ist seither als Ingenieur tätig. Zur heftigen Kontroverse um den Pfarrer von Röschenz vgl. www.kirchgemeinde-roeschenz.ch und www.bistum-basel.ch.

Die Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche

Stiftungsrat

Die Mitglieder des Stiftungsrats sind Professor Hans Küng (Präsident), Herbert N. Haag und Dr. Erwin Koller.

Gründer

Professor Herbert Haag gründete 1985 die nach ihm benannte "Stiftung für Freiheit in der Kirche" mit dem Argument: "Die gegenwärtige Krise in der Kirche ist in ihrer Verfassung begründet, die unvermeidlich zur Unfreiheit der Gläubigen führen muss. Dies steht im offenen Widerspruch zur Botschaft Jesu, der ein Evangelium der Freiheit verkündete. Die Stiftung für Freiheit in der Kirche wird diese nicht herbeiführen, aber sie möchte dafür wenigstens Zeichen setzen."

Herbert Haag wurde 1915 in Singen-Hohentwiel geboren. 1942 promovierte er an der Universität Freiburg/CH. Ab 1948 war er Professor für Altes Testament an der Theologischen Fakultät Luzern, ab 1960 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Nach seiner Emeritierung im Jahr 1980 lebte er bis zu seinem Tod am 23. August 2001 in Luzern. Herbert Haag war ein langjähriger Freund von Hans Küng.

Kontakt

Dr. Erwin Koller, Vize-Präsident der Stiftung für Freiheit in der Kirche
Stauberbergstrasse 45, 8610 Uster;
Telefon: +41 (0)44 940 8642; E-Mail: [email protected]

Andreas Heggli, Geschäftsführer der Stiftung für Freiheit in der Kirche
Postfach, 6000 Luzern 15;
Tel: +41 (0)41 370 3971 oder +41 (0)41 375 7216; E-Mail: [email protected]

Homepage: www.herberthaag-stiftung.ch

Luzern, Ende November 2005/Dr. Erwin Koller

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