Kirchgemeinde Röschenz

> Home

> News

> Dokumente

> Essays

> Impulse

> Links

> Kontakt

> Impressum


St.Anna



> Pfarrblatt

Solidaritätsbekundung des Kirchenrates von Wolhusen LU

"Sehr geehrter Herr Präsident
Sehr geehrte Damen und Herren,

Der Kirchenrat der katholischen Kirchgemeinde Wolhusen hat mit grossem Interesse die Situation um Ihren Pfarrer Franz Sabo verfolgt. Nur allzu gut kennen wir die Denkweise unserer Bistumsleitung, wenn ein Seelsorger sich kritisch äussert oder fortschrittlich denkt und wenn Kirchenrat und unzählige Gläubige zu ihrem Pfarrer stehen. Wir wissen aber auch wie viele kirchliche Behördenmitglieder hinter vorgehaltener Hand unsere Bistumsleitung kritisieren und dass leider in unserer Kirche Ehrlichkeit und Solidarität im Argen liegen. Wir beglückwünschen Sie als Kirchenrat und Ihre Pfarrei, dass 415 Mitglieder Ihrer Kirchgemeinde in einer Konsultativabstimmung entschieden haben, ihrem Pfarrer vorerst nicht zu kündigen.

Mit diesem Schreiben möchten wir Ihnen als Kirchenrat und der Pfarrei Röschenz gegenüber unsere Solidarität ausdrücken. Wir unterstützen Ihren Mut, denn wir sind überzeugt, dass die Ideen von Pfarrer Franz Sabo, dass die Frauen in der Kirche den Männern gleichgestellt werden, verheiratete Personen das Priesteramt ausüben dürfen und Gleichgeschlechtliche nicht aus der Kirche ausgegrenzt werden, unserer Kirche den richtigen Weg zeigen.

Wir unterstützen Sie und Pfarrer Franz Sabo in der ehrlichen Einstellung und Offenheit und hoffen sehr, dass Ihre geschlossene Haltung uns alle in der katholischen Kirche etwas weiter bringen wird.

Wir wünschen Ihnen für die Zukunft viel Geduld, Zuversicht und Ausdauer.

Freundliche Grüsse

Kirchenrat Kath. Kirchgemeinde Wolhusen"

Schreiben von Pfarrer Hans Kunz an uns Röschenzer

"Lieber Franz
Sehr geehrter Kirchenrat

An der letzten Kirchenratssitzung haben wir darüber diskutiert, wie wir den beiden Kirchgemeinden unsere Solidarität zum Ausdruck bringen könnten. Einstimmig haben wir beschlossen, dass der Kirchenrat bzw. der Präsident einen Brief an die beiden Räte verfassen soll, und dass wir an einem Wochenende Blätter in der Kirche auflegen, damit auch die Leute aus der Pfarrei ihre Solidarität bekunden können, all jene, die das wollten. Es haben nur Erwachsene unterschrieben, damit es von oben nicht heissen kann, wir hätten die Jungen und Kinder manipuliert. Diese Unterschriftensammlung hat noch vor ihrem Besuch in Solothurn stattgefunden.

Es müssten sich eigentlich noch viel mehr Kirchenräte und Kirchgemeinden solidarisieren, damit unsere Bistumsleitung endlich begreift, dass sie es ist, die das Vertrauen zur Basis eigentlich schaffen müssten und nicht die, die das Vertrauen der Basis haben und darunter leiden, sehr leiden, dass sich im Blick auf die Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen und Betragten nichts mehr bewegt d.h. die Anliegen, Sorgen und Nöte zwar gehört, aber nichts dagegen unternommen wird.

In einem Konfliktfall darf das Ziel eines Gespräches mit dem Bischof, der einer christlichen Kirche vorsteht, nicht sein "Missioentzug", sondern den Weg offenhalten bis eine Lösung in Sicht ist, gefunden ist, auch wenn der Weg lange ist. Es stünde doch unserer Kirche gut an, sehr gut an, in Konfliktsituationen andere Wege zu beschreiten als die "Welt" es tut. Der weltbekannte Befreiungstheologe Leonardo Boff sagt: "Das autoritäre System der Kirche ist dazu verdammt, andere zu verdammen. Das gehört zu seiner Logik. Schade, dass so mit dem Erbe Jesu umgegangen wird."

Ich habe die Ausführungen des Bischofs gelesen und darin wird mir der Machtanspruch des Bischofs allzu offensichtlich. Die Bibelstelle Mt 18, 15-20 kehr er um, es kann ja nicht anders sein! Franz Sabo hat dem Bischof "sogenannt Unrecht getan", also müsste der Bischof zu ihm gehen, zu euch, zur Pfarrei. Vom Geiste des Evangeliums ist ausser dem zitierten Mathäustext im Brief des Bischofs nichts, aber auch gar nichts vorhanden, vielmehr Amt, Macht, Kirchenrecht, Spitzfindigkeiten, Verdrehungen und Sanktionen. Wie heisst es doch so treffend im Markusevangelium: "Wie ihr wisst tyrannisieren die Herrscher ihre Völker und wer Macht hat lässt sie die anderen spüren! Bei euch soll das nicht so sein. Wer bei euch etwas zu sagen hat, der soll den anderen dienen."

Das nützt Ihnen wahrscheinlich alles nichts, was ich da schreibe. Es geht um die Zukunft ihrer Pfarrei, die Zukunft der Gläubigen und die Zukunft von Franz. Da geht es darum zusammenzustehen, den Pfarrer zu behalten und abzuwarten, was die Bistumsleitung tut nach dem 1. Oktober 2005. Da wird der Kirchenrat gefragt sein, denn die Bistumsleitung hat sicher schon einen folgsamen Ersatz für Franz Sabo und Kurt Koch hat da Erfahrung, denn er ist damals 1986 in Oberentfelden sofort eingesprungen, als ich wegging, um ja die Pfarrei ruhig zu halten.

Mit zuversichtlichen Grüssen

Hans Kunz"

  copyright © 2005 Holger Wahl, Röschenz - All rights reserved.